
Ja dürfen die das?! Dürfen Gefängnisinsassen Spiele entwerfen und verkaufen? Darf man sich mit einem Spiel auf Kosten der Justiz und politischen Würdenträger lustig machen? Für beides gibt es jetzt den Beweis anhand neuer Spiele, die so gänzlich von Mainstream und politischer Korrektheit abweichen.
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Zynisches Spiel im US-Gefängnis heißt übersetzt "Lass die Seife nicht fallen!" und stammt pikanterweise vom Sohn der Gouverneurin des Bundesstaats Kansas. Foto:Gillius | |
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In Hamburg nehmen sich Gefängnisbehörde und Insassen mit diesem Brettspiel gemeinsam auf die Schippe. Fotos: Santa Fu | |
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Ungewöhnliche Idee: Ein Memospiel mit Original-Tattoos von Knastbrüdern.
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Der "missratene" Sohn
Der Knast hat zweifellos eine lange Tradition im Spiel unzähliger Leute rund um die Erdkugel. Schießlich ist das Gefängnis ein zentraler Bestandteil von Monopoly.
Was sich jetzt allerdings der US-Amerikaner John Sebelius hat einfallen lassen, geht weit an die Grenzen aller Konventionen heran. Er hat das Spiel Don't Drop The Soap herausgebracht, das von der Todesstrafe handelt – respektive wie man ihr entgeht.
Die Pikanterie an dem überaus zynischen Spiel ist, dass John der Sohn von Kathleen Sebelius, der Gouverneurin von Kansas ist! Und Kansas ist einer der 38 Bundesstaaten mit Todesstrafe. Über Begnadigungen hat die Mutter des Spielautors zu entscheiden.
„Kämpfe dich durch sechs verschiedene Szenarien auf der Jagd nach der Begnadigung: Rette dich aus Massenschlägereien im Gefängnishof, streue Glassplitter in die Lasagne der Mafiabosse oder besorg dir Schmerztabletten aus der Gefängnisapotheke", lautet es in der Spielanleitung. Zum Spiel gehören unter anderem ein Päckchen Kokain, eine Pistole (Marke Glock aus Österreich), ein Schläger im Rollstuhl, ein Massenmörder.
Zu kaufen gibt es das Spiel übers Internet. Dessen Adresse ist übrigens das Haus, in dem auch Gouverneurin Kathleen Sebelius wohnt …
"Heiße Ware" aus dem Knast
Aber auch am alten Kontinent gibt es Knastspiele. Sie sind in der Hamburger Vollzugsanstalt sogar Teil eines hoch offiziellen Projektes. Die unter dem Spitznamen Santa Fu bekannte Institution geht hier mit einem gewissen Augenzwinkern an die Sache heran.
So gibt es nicht nur absolut witzige T-Shirts ("Noch unschuldig) und andere Bekleidungen, das Kochbuch "Huhn in Handschellen" mit Rezepten der Insassen, sondern auch drei Spiele. In der "kreativen Zelle" Santa Fu entstand zuerst ein Memo-Spiel mit Gefängnisbildern. Vor kurzem ist ein zweites hinzugekommen, für deren Motive die Insassen ihre Tattoos ablichteten. Beide gibt es in einer schmucken Blechdose.
Ebenfalls neu ist das Brettspiel Alaarm! – das wilde Ausbrecherspiel, von Gefangenen selbst entwickelt und in den Zellen gespielt. Man versteckt sich dabei in Gullis, rutscht durch Entlüftungsrohre und glaubt, das Fluchtauto noch zu erreichen. Doch wenn zwei Sechsen fallen, ertönt der Alarm und alle müssen zurück in die Zellen.




