Kein Spieleverlag geht mit so demonstrativem Optimismus wie Lego – den man seit dieser Spielwarenmesse auch dazu zählen muss – ins laufende Jahr. Die Branche ist durch die Weltwirtschaftskrise spürbar verunsichert. Bei Zahlen gibt man sich auffallend zurückhaltend.
Die Ravensburger-Gruppe "zeigt sich krisenfest", erklärte deren Vorstandssprecher Karsten Schmidt. Der Spielebereich habe 2008 um 0,3 Prozent auf 231,5 Millionen Euro zulegen können. Verantwortlich dafür sei das Inlandsgeschäft gewesen, denn im Ausland ging der Verkaufserlös um 3,7 Prozent zurück. "Wichtige Handelshäuser mussten infolge der Finanzkrise schließen oder konnten wegen unzureichender Delkredere-versicherung nicht mehr beliefert werden", erklärt Ravensburger nüchtern.
Offensiver Optimismus
"In einem Jahr wird es sicher einige unsere Handelspartner nicht mehr geben", sagt auch Dirk Engehausen unverblümt. Was den Lego-Chef für Zentraleuropa dennoch von seinen Branchenkollegen deutlich abhebt, ist ein offensiv zur Schau getragener Optimismus: "2009 wollen wir zwischen sieben und elf Prozent mehr in den Handel reinverkaufen", der Umsatz auf Endverbraucher bezogen soll um vier bis acht Prozent steigen: "Die Ausgangslange an unserem (Messe)Stand ist die beste der gesamten Branche!" Nicht allein, weil Lego in einem Überraschungscoup gleich zehn Spiele als neue Produktgruppe aus dem Hut zauberte (wir berichteten), sondern Lego das "Vertrauen beim Endverbraucher" genieße, und vor allem: Der Bauklotz-Konzern wird seine Marketingausgaben in diesem Jahr deutlich erhöhen und die Nachfrage nach oben treiben.Vonn dieser Packen-wir's-an-Einstellung kann anderswo kaum die Rede sein.
Details stimmen nachdenklich
Viele Kleinigkeiten ergeben ein Gesamtbild der Branche, das nachdenklich stimmt. Nur beispielhaft: Für den Auftritt auf der größten Spielwarenmesse der Welt wurde an vielen Stellen der Rotstift angesetzt. Die Märklin-Insolvenz hat am Mittwoch der Stimmung einen zusätzlichen kräftigen Dämpfer versetzt. Die Spielzeughändler-Vereinigung Vedes musste für 2008 einen "leichten Rückgang", wie es genannt wurde, von 2,2 Prozent melden. Bei Hasbro (u.a. Parker und MB) wird hinter vorgehaltener Hand von deutlichen Einbrüchen in wichtigen Marktsegmenten gesprochen. Der Katalog für 2009 ist auf ein Volumen reduziert, das dem vor mehreren Jahren entspricht: Von mehreren Produktreihen hat man sich stillschweigend verabschiedet.Wie auch zum Beispiel Kosmos, hat Hasbro in Nürnberg für 2008 entgegen der Tradition keine Zahlen für Umsatz oder Marktanteile bekannt gegeben. In einem anderen bekannten Verlag, der auch für Dritte produziert, ist die Nervosität greifbar, weil die meisten davon nur noch das Wort Sparen im Mund führen würden.
Kleiner Seitenhieb
Wenn schon mit Zahlen an die Öffentlichkeit gegangen wird, dann wird das Positive herausgepickt und in den Fokus gestellt. So hat sich Ravenburger nicht verkneifen können zu melden, dass sein Kinderspiel des Jahres Wer war's? "erstmals höhere Umsätze als ein Spiel des Jahres erzielt" habe (verkauft wurden 220.000 Stück). Auf den Seitenhieb ging Kosmos, die mit Keltis das Spiel des Jahres lieferten, erst gar nicht ein.Ob Ravensburger richtig gerechnet hat oder nicht, ist eine unbedeutende Frage. Die zentrale Frage ist, ob sich die Rezession tatsächlich eher positiv für die Spielwarenbranche und damit auch die Spieleverlage auswirkt, weil die Konsumenten ihr Geld eher in Vergnügen stecken, das zuhause gepflegt werden kann. Eine Antwort weiß – noch – niemand. Dem entsprechend groß ist die Verunsicherung.

