JAHRESTAG. Dem 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic will sich auch die Spielwiese nicht gänzlich entziehen. Schließlich fand die Tragödie auch vielfach Einzug in die Welt der Brett- und Kartenspiele.
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| Einzige Neuerscheinung zur 100. Wiederkehr des Unglücks: das Patience-artige SOS Titanic bei Heidelberger. Der Blick auf die Schachtelrückseite zeigt den Überblick des Legespiels. | |
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Wie bei Titanic – Der Mythos von Adlung folgten auch zahlreiche andere Adaptionen dem alten Spielprinzip, dass sich Platz und/oder Zeit verknappen und man seine Schäfchen ins Trockene bringen muss – in diesen Fällen so viele Passagiere wie möglich. Bilder: Die Spielwiese, Jumbo, Heidelberger |
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| Der Untergang als Logikspiel bei Jumbo/Smart Games. | |
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| Nicht unumstritten: Die Katastrophe nach Art von Monopoly als Sammlerstück eines amerikanischen Titanic-Museums. | |
Ein Thema, das auch Spieleautoren bewegt
Es wäre wohl eine fast unmögliche Aufgabe, alle Spiele zu registrieren, die weltweit jemals zum bekanntesten Untergang eines Passagierschiffes erschienen sind. Eine kleine Übersicht zum 100. Jahrestag der Titanic-Katastrophe vom 14. April 1912 (datiert nach der dazu allgemein gebräuchlichen US-Ortszeit) fasst deshalb vor allem die wichtigsten auf deutsch erschienenen Spiele zusammen.
Die Hollywood-Verfilmung des Dramas mit Leonardo di Caprio und Kate Winslet von 1997 hatte auch hierzulande einen neuen "Titanic-Boom" zur Folge, an den sich mehrere Spielehersteller anhängten.
Titanic – Der Mythos nannte Adlung sein Kartenspiel von 1998: Bernhard Naegele setzte dazu das Schiff aus neun Karten zusammen und umgab es mit 16 Rettungsbooten. Runde für Runde geht die Titanic-Karte für Karte unter. Die Spieler versuchen ihre Karten so geschickt einzusetzen, dass möglichst viele Passagiere mit den Booten gerettet werden. Die Spielwiese gab damals drei von fünf Punkten.
Meist bekanntes Spielprinzip

Das Grundprinzip, wonach ein imaginärer Platz immer kleiner oder die Zeit knapp wird und die Spieler versuchen ihre Figuren bis zum Ende unterzubekommen, funktionieren unzählige Spiele. Für die Adaption eines Schiffsunterganges drängt es sich natürlich geradezu an. Es gilt auch in groben Zügen für Titany und Titany – The Icebreaker. Beide erschienen als erste (und bisd auf eine Ausnahme letzte) Spiele des 1998 gegründeten Verlags Bodensee-Spiele. Der Erfolg blieb allerdings aus, wenig später verschwand der Verlag aus Friedrichshafen in der Versenkung. Titany – The Icebreaker war ein taktisches Kartenspiel, bei dem Passagiere zu retten waren, Titany war ein Würfelspiel, bei dem quasi Malefiz umgekehrt wurde: Der Engpass stand am Spielbeginn, möglichst viele Passagiere sollte auf mehrere Endfelder in Sicherheit gebracht werden. Miteinander war kein Muß, aber manchmal ging's dadurch leichter.

Heidelberger respektive in Original der französische Verlag Ludonaute bringen noch 2013 ein "aktuelles" Titanic-Spiel auf den Markt. Bei SOS Titanic werden Patience-artig Karten ausgelegt, es wird damit der Wettlauf gegen die Zeit simuliert. Die (kooperativen) ein bis fünf Spieler sind die Crew der Titanic. Sie versuchen, so viele Passagiere wie möglich zu retten. Dazu müssen die Passagiere zwischen den einzelnen Schiffdecks hin und her bewegt werden, um wie bei einer Patience, die Passagiere (=Karten) in eine bestimmte Reihenfolge zu bringen. Erst dann können sie auf die Rettungsboote (=Ablage) verschoben werden. Die Spieler haben Ereigniskarten zur Verfügung, die Ihnen Sonderzüge erlauben, um sich aus brentzligen Situationen zu befreien.

Sehr abstrahiert behandelte im selben Jahr weiters ein Noris-Spiel von Klaus Steputat die Katastrophe. Die Fürther nannten es schlicht Titanic.
Rätsel eingebettet

Schon etwas mehr als zehn Jahre zuvor hatte sich Schmidt des Themas angenommen und ein Cluedo-ähnliches Deduktionsspiel namens Tatort Titanic auf den Markt gebracht. Auf dem Schiff ist ein Mord passiert und die Spieler sollen nun den Täter herausfinden, bevor der Dampfer mit dem Eisberg kollidiert und untergeht. 2010 erschien mit ähnlichen Vorzeichen Mörderische Dinnerparty: Totentanz auf der Titanic. Dabei handelt es sich um ein Krimi-Rollenspiel des Blaubart-Verlags.
Seit dem 19. Jahrhundert ist es durchaus üblich, große Weltereignisse für ein Spiel zu adaptieren. Über Geschmack lässt sich dabei, wenn es sich um tragische Ereignisse handelt, freilich streiten. Als das amerikanische Titanic-Museum in Missouri im letzten Jahr ein Titanic-Monopoly herausbrachte und es Titanic-opoly nannte, gab es auch Kritik. Um nicht als schamlos zu gelten, gab man bekannt, man werde einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Sammlerstücks an Familien der Titanic-Opfer spenden.
Logik kann Leben retten
Die Titanic-Katastrophe ist in den vergangenen 100 Jahren freilich auch zu einem stehenden Begriff geworden. Bei Jumbo (2010) bzw. SmartGames (2009) dient der Name zur Lösung einer Denksportaufgabe. Sechs Rettungsboote müssen so manövriert werden, dass alle Passagiere geborgen werden können. Doch die Plätze in den begehrten Booten sind natürlich begrenzt. 48 Aufgaben bei Titanic in vier Schwierigkeitsstufen fördern das räumliche Wahrnehmungsvermögen, fei nach dem Motto: Logik kann Leben retten.





… mit gutem Gefühl am Leben teilhaben können.