UMBAU. Wer nach neuen Spielen im Halle 10.0 bei Winning Moves sucht, wird enttäuscht. Es gibt keine. Dafür ein neues Management, ein neues Geschäftsmodell und Abgänge beim bisherigen Team. Winning Moves ist nicht mehr Winning Moves.
"Winning Moves richtet sich strategisch neu aus", ist die Mitteilung übertitelt. "Hasbro-Lizenzspiele als neues Standbein im Verlags-Portfolio", einer der Untertitel.
Schon bisher waren die Städte- und Regionenausgaben von Monopoly einer der wichtigsten Umsatzbringer für den Düsseldorfer Verlag. Nun sollen spezielle Ausgaben von Cluedo, 4 gewinnt, Twister, Wer ist es? und anderen dazukommen. Eigenentwicklungen, so wird ganz offen erklärt, in den Bereichen Kinder- und Familienspiele sind derzeit nicht in Sicht und auch nicht angedacht. 2013 wird nur noch ein Teil des derzeitigen Spieleprogramms vorhanden sein.
Mit anderen Worten: Winning Moves ist der nächste Verlag, der sich aus diesem Segment praktisch zurückzieht.
Der Hintergrund
Zwei Faktoren muss man wissen, um die Sache besser verstehen zu können:
- Traditionelle Brettspiele vom Kaliber eines Trans America, Hab & Gut, Terra Nova oder gar eines Carolus Magnus erleben am Markt derzeit eine niederschmetternde Flaute. Gegen die Big Player am Markt hatte es der kleine Verlag aus Düsseldorf schon in der Vergangenheit sehr schwierig. Geld wurde vor allem mit anderen Dingen gemacht. Siehe oben.
- Winning Moves Deutschland ist Teil einer internationalen Winning Moves-Gruppe, an der Hasbro (die Mutter früherer ruhmreicher Marken wie MB oder Parker) beteiligt ist. Die Gründer von Winning Moves waren zum Teil ehemalige Hasbro-Leute. Hasbro selbst ordnet gerade selbst sein Spieleprogramm völlig neu. Die gewohnten Marken sind zugunsten von so genannten Brands verschwunden, um die eigene, neue und über alle erdenklichen Vertriebs- und Marketingkanäle eigene Welten aufgebaut werden. Originäre neue Brettspiele im klassischen Sinn haben hier keinen Platz mehr. Alles wird auf die internationale Vermarktung von Produkten zugeschnitten. In einem solchen "Welt-Programm" sind Eigenheiten einzelner Märkte durchaus störend, weshalb zum Beispiel regional erfolgreiche Produkte an Lizenznehmer abgegeben werden, die sich dann auch um die wiederum regionale Adaptierung und Vermarktung kümmen können.
Hier kommt nun Winning Moves ins Spiel. "Custom-made-Editionen" heißt das dann neudeutsch, wenn Klassiker wie Cluedo oder Twister als Adaptionen für Firmen oder Institutionen aufbereitet werden. Werbespiele, könnte man dazu auch sagen.
Personalveränderungen
Die Neuausrichtung von Winning Moves machen nicht alle mit. Es gibt Abänge. Zum 1. März übernimmt Matthias Mierau die Geschäftsleitung, er war schon von 2007 bis Anfang 2011 in verschiedenen Funktionen für Winning Moves tätig. Der langjährige Geschäftsführer und Mitbegründer Michel M. Matschoss (übrigens Co-Autor von Sagaland) hat sich im Herbst endgültig in den Ruhestand verabschiedet. Zuletzt hatte er die Spieleredaktion geleitet. Die Stelle wurde nicht nachbesetzt, redaktionionelle Aufgaben übernimmt Michael Tschiggerl, schon bisher neben seiner Rolle als Öffentlichkeitsarbeiter für die Redaktion der Monolopy-Ausgaben und Top Trumps zuständig.
Der Vertriebsschwerpunkt liegt in Zukunft auf dem Key Account. Und der Fachhandel? "Jeder Kunde ist immer herzlich bei uns willkommen", sagt Matthias Mierau, "unser Customer Service wird sich in Zukunft verstärkt aktiv um Fachhändler kümmern. Das heißt weniger persönliche Besuche vor Ort, dafür eine kompetente aktive Beratung und Kommunikation per Telefon und E-Mail."
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