INTERVIEW. An der Auszeichnung Spiel des Jahres 2015 ist Machi Koro haarscharf vorbeigeschremmt. Es ist trotzdem erfolgreich. Wie sich das der Autor Massao Suganuma erklärt, lesen Sie im Interview. Im August erschien die erste Erweiterung der deutschen Ausgabe: Großstadt-Erweiterung.
Mit der Machi Koro Großstadt-Erweiterung kommen 140 zusätzliche Karten mit 23 neuen Unternehmen und drei weiteren Großprojekten ins Spiel. Die Cover-Farbe wechselt von himmelblau zu orange.
|
|
![]() |
|
Die Machi Koro-"Macher": Noboru Hotta (Illustration, l.) und Masao Suganuma (Autor)
Bild: Japon Brand |
|
Silke Ruoff und Chanel Volkmar von Kosmos haben anslässlich der Spiel des Jahres-Nominierung den Autor interviewt. Die Spielwiese gibt es gerne wieder.
Machi Koro, das für die Wahl zum Spiel des Jahres 2015 nominiert wurde, ist
ein rasantes Städtebauspiel. Wie kamen Sie auf das Thema Stadtbau?
Das Deckbauspiel Dominion und verschiedene Videospiele zum Thema Stadtbau haben mich inspiriert. Bei meinem Spiel war mir wichtig, dass die Stadt nach und nach wächst und mit ihr das Einkommen der Spieler.
Ist Machi Koro ihr erstes Spiel, das Sie entwickelt haben?
Ja, es ist mein erstes Brettspiel. Zeitgleich mit Machi Koro habe ich noch ein weiteres Spiel entwickelt: One Sheep. Aber ich habe bereits einige Videospiele umgesetzt.
Wie lange haben Sie an der Entwicklung des Spiels gearbeitet, bis es auf den Markt kam?
Etwa ein halbes Jahr habe ich daran gearbeitet. Den Wald habe ich immer wieder geändert, mal kostete er zwei Münzen, mal setzte ich ihn wieder hoch auf fünf. Bei dieser Karte habe ich eine ganze Weile gebraucht, bis sie stand. Jetzt kostet der Wald drei Münzen!
Was genau bedeutet „Machi Koro“?
Der Titel bedeutet „Stadt“ (machi) und „Würfel“ bzw. „Würfeln“ (saikoro). Als ich es zum ersten Mal laut aussprach, hörte es sich gut an.
Machi Koro wird oft auch mit Die Siedler von Catan verglichen. Haben Sie sich von Catan inspirieren lassen? Sind Sie Fan von Catan?
Ich habe die Ähnlichkeiten erst bemerkt, als das Spiel auf dem Markt war und die Spieler häufiger darauf hingewiesen haben. Bei der eigentlichen Entwicklung hatte ich Catan überhaupt nicht im Kopf. Aber natürlich liebe ich Catan und es ist wahrscheinlich das Spiel, das ich am häufigsten gespielt habe. Daher ist es gut möglich, dass die besten Elemente von Catan unbewusst in den Entwicklungsprozess eingeflossen sind.
Ihr Spiel wird bereits in vielen Ländern gespielt. Wie sehr hat Sie der internationale Erfolg überrascht?
Ich bin sehr glücklich darüber. In Japan zählen Brettspiele zu den etwas ungewöhnlicheren Hobbys und die meisten Menschen hier kennen Machi Koro auch nicht. Um ehrlich zu sein: Ich kann es kaum fassen, dass Menschen in unterschiedlichsten Ländern weltweit wirklich mein Spiel spielen!
Machi Koro wurde kürzlich auch für die Auszeichnung „Graf Ludo“ nominiert, mit dem die besten Familienspielgrafiken prämiert werden. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die unverwechselbare Illustration für den Erfolg Ihres Spiels?
Ich denke, dass die Illustrationen von Noboru Hotta für den Erfolg des Spiels entscheidend sind. Ich bin sehr froh, dass ich mit ihm zusammenarbeiten kann.
In Berlin hat bereits das erste Machi Koro-Turnier in Deutschland stattgefunden. Welche Strategie empfehlen Sie Spielern, um zu gewinnen?
Viele Spieler investieren ihr Einkommen relativ breit. So versuchen sie möglichst viele Einnahmen zu erhalten, ganz gleich was gewürfelt wird. Bei Turnieren wird es allerdings schwer sein, mit dieser naheliegenden Strategie zu gewinnen. Auf jeden Fall empfehle ich allen Spielern mit viel Spaß und Freude miteinander zu spielen, so dass sich der Verlierer nicht schlecht fühlt.
Worauf sollten Spieler achten, wenn sie das Spiel zum ersten Mal spielen?
Kaufe in jeder Runde etwas, wenn du kannst!
Für Machi Koro gibt es bereits erste Erweiterungen. Gibt es noch weitere Ideen, die sie für Machi Koro umsetzen möchten?
Ich hätte schon noch einige Ideen für weitere Unternehmen und Gebäude. Leider habe ich aber nur die Zahlen 1 bis 12 zur Verfügung, die ich nutzen kann. Daher plane ich momentan keine zusätzlichen Erweiterungen zu den beiden, die es bereits gibt. Denkbar wären jedoch, Spiele mit ähnlichen Spielmechaniken oder neue, besondere Basisspiele oder auch Ergänzungen mit zusätzlichen Handkarten zu entwickeln.
Arbeiten Sie derzeit an einer neuen Spielidee?
Es gibt ein paar weitere Prototypen und auch einige Ideen, die noch sehr vage sind. Aber davon ist bisher noch nichts so gut wie Machi Koro.
Hauptberuflich beschäftigen Sie sich intensiv mit digitalen Spielen. Worin liegt Ihrer Meinung nach der Reiz von analogen Spielen?
Meiner Meinung nach sind Brettspiele und Videospiele komplett unterschiedlich. Beide haben Vor- und Nachteile. Das Beste an Brettspielen ist, dass man sich mit den Mitspielern am selben Ort trifft und gemeinsam Spaß hat.
Wie sind Sie zum Spieleautor geworden?
Als ich klein war, bekamen wir nicht viele Spiele geschenkt. Da erfand ich sie einfach selbst. Schon in der Grundschule habe ich verschiedene Spiele erfunden und sie mit Freunden und meinem kleinen Bruder gespielt.
Testen Sie Ihre Spiele auch in Ihrer Familie?
Ja. In unserer Familie sind wir zu viert. Und ich muss sagen, dass mein Sohn und meine Tochter wirklich gute Berater sind.
Welche Art von Spielen spielen Sie darüber hinaus mit Ihrer Familie? Spielen Sie mehr digitale oder analoge Spiele?
Privat spiele ich beides sehr viel. Und ich habe vor, meiner Tochter Catan beizubringen, sobald sie alt genug ist.
Ist Machi Koro ein typisch japanisches Spiel? Und was ist charakteristisch für japanische Spiele?
Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube nicht, dass Machi Koro ein typisch japanisches Spiel ist. In Japan sind sowohl die Spieler als auch die Vertriebskanäle für Brettspiele sehr überschaubar. Die meisten neuen Spiele erscheinen im Self- Publishing, werden auf speziellen Spielemessen verkauft und sind kaum im Handel zu finden. Die meisten dieser Spiele tendieren zu „kleine Schachtel, günstige Herstellkosten“ und „innerhalb weniger Minuten erklärt“. Aber es gibt sehr viele Spieleautoren hier und daher auch Spiele aller Art. Da es die meisten dieser Spiele nicht über Japan hinaus schaffen, ist in der internationalen Community wenig über sie bekannt. Aber ich persönlich glaube, dass gerade diese große Vielfalt typisch für den japanischen Spielemarkt ist.
Was unterscheidet Ihrer Meinung nach japanische Spieler von anderen Nationen? Oder was verbindet sie?
In Japan kennen nur Geeks und Nerds die bekannten deutschen Brettspiele, die sogenannten German-style Games. Der Durchschnittsbürger spielt kaum. Ich habe den Eindruck, dass die „normalen“ Brettspieler in Europa sehr viel weiter verbreitet sind.
Wie wichtig und bekannt ist die Auszeichnung „Spiel des Jahres“ in Japan?
Jeder, der Brettspiele spielt und mag, kennt die Auszeichnung und weiß genau, dass sogar eine Nominierung eine große Ehre ist. In der japanischen Bevölkerung kennen allerdings nur wenige die Auszeichnung. Viele kennen auch überhaupt keine Brettspiele. Ich würde wirklich gerne ein Spiel entwickeln, das genau diese Situation verändert.
Über den Autor
Masao Suganuma (47) arbeitet seit vielen Jahren als Game Designer bei Grounding Inc., einem japanischen Spezialisten für Videospiele. In dieser Funktion hat er bereits zahlreiche erfolgreiche Videospiele entwickelt. Machi Koro ist sein erstes Brettspiel, das veröffentlicht wurde. Masao Suganuma ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er lebt mit seiner Familie in Tokio.
Besucher, die diesen Artikel lasen, lasen auch:
|
|
|
spielwiese.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internet-Seiten |


