AUSZEICHNUNG. Es gibt mehr als nur den roten Pöppel. Die Spielwiese hat zum Jahresbeginn die Übersicht aller Auszeichnungen zusammengefasst, die 2016 für Spiele vergeben wurden.
Der Streifzug um die Welt beginnt in Deutschland. Nicht, weil Deutschland noch immer der größte Spielemarkt ist (andere Länder holen beträchtlich auf!), sondern weil hier auch mit dem Kritikerpreis "Spiel des Jahres" die Geburtsstunde der Spieleauszeichnungen schlug. Der rote Pöppel für das Spiel des Jahres ist nach wie vor die wichtigste Auszeichnung der Branche Daher gebührt ihm auch der erste Platz in dieser Übersicht.
Es folgen tabellenartig weitere nationale Auszeichnungen aus beinahe allen Ecken der Welt sowie mehrere Spezialpreise.
Spiel des Jahres 2016
Die Auszeichnung wird seit 1979 vergeben. Im Vorjahr ging sie an Codenames von Vlaada Chvátil bei Heidelberger. Begründung der Jury: "Einer ersten Partie Codenames folgt oft die zweite. Dann die dritte, die vierte. Das Spiel mit Assoziationen übt einen Sog aus, dem sich kaum jemand entziehen kann. Möglichst viele Wörter mit einem Begriff zu umschreiben, ohne auf Wörter der Konkurrenz hinzuweisen – diese wiederkehrende Aufgabe ist wie ein Rätsel, das man unbedingt lösen möchte. Gute Varianten für zwei oder drei Spieler runden dieses Teamspiel ab. Wer gerne mit Sprache jongliert, wird Codenames lieben."- Nominiert waren außerdem Imhotep von Phil Walker-Harding bei Kosmos und Karuba von Rüdiger Dorn bei Haba.
Kennerspiel des Jahres 2016
Die Auszeichnung für anspruchsvollere Spiele ging 2016 an Isle of Skye von Andreas Pelikan und Alexander Pfister bei Lookout. Begründung der Jury anlässlich der Nominierung: "Isle of Skye wirkt dank schlanker Regeln einfach, und doch ist es faszinierend herausfordernd. Wie im richtigen Leben brauchen die Spieler in diesem Lege- und Wirtschaftsspiel Erfahrung, um ihr Geld taktisch schlau zu verwalten und einzusetzen. Darüber hinaus überzeugt Isle of Skye mit einem flexiblen Wertungssystem, das in jeder Partie die Ziele neu definiert. Die elegante Verzahnung vieler innovativer Mechanismen und Ideen grenzt an Perfektion."- Nominiert waren außerdem Pandemic Legacy – Season 1 von Matt Leacock und Rob Daviau bei Z-Man und T.I.M.E Stories von Manuel Rozoy bei Space Cowboys.
Kinderspiel des Jahres 2016
Stone Age Junior von Marco Teubner bei Hans im Glück. Begründung der Jury: "Sammeln, Planen und Bauen. Rohstoffmanagement, der clevere Einsatz von Figuren auf Aktionsfeldern und Aufbaustrategie – das sind normalerweise so gar keine Themen für Kinderspiele. Doch Autor Marco Teubner überträgt hier vorbildlich den Reiz des gleichnamigen Familienspiels in ein altersgerechtes Steinzeitabenteuer für jüngste Spieler. Dabei stellt er durch Memo-Elemente geschickt Chancengleichheit zwischen den Generationen her. So spielt das moderne Steinzeitkind gerne."- Nominiert waren außerdem Leo muss zum Friseur von Leo Colovini bei Abacus und Mmm! von Reiner Knizia bei Pegasus.
Deutscher Spielepreis 2016
Mombasa von Alexander Pfister bei Eggertspiele/Pegasus ist als Sieger in dem Votum von Journalisten, Spieleclubs und Spielern hervorgegangen. In der Kategorie Kinderspiel hieß der Sieger Leo muss zum Friseur von Leo Colovini bei Abacus.
À-la-carte 2016
Der Preis für das beste Kartenspiel eines Jahres wird von der Zeitschrift "Fairplay" seit 1991 vergeben. Im vergangenen Jahr ging er an 7 Wonders – Duel von Antoine Bauza und Bruno Cathala bei Repos Production.
Spiel der Spiele 2016
Das Legespiel Kerala bei Kosmos ist Spiel der Spiele 2016. Es handle sich dabei, so Dagmar de Cassan, Vorsitzende der „Wiener Spiele Akademie“, um ein Spiel, das die Jury ausgepackt, gespielt und gewusst habe: Das ist es es. Von der Anforderung her genau so wenig Komplexität, dass es ein klassisches Spiel für die Familie ist, aber gleichzeitig auch so viel Tiefgang, dass auch anspruchsvolle Spieler auf ihre Kosten kommen.
Zum inoffiziellen österreichischen Spielepreis zählen auch folgende Unterkategorien:
Spielehits für Kinder 2016
- Burg Flatterstein (Drei Magier), „simply the best“
- Ausgefuchst (Noris)
- Leo muss zum Friseur (Abacus)
- Raben schubsen (Moses)
- Tropicano (Beleduc)
Spielehits für Familien 2016
- Abenteuerland (Haba), „simply the best“
- Die Omama im Apfelbaum (Piatnik)
- Memory – Das Brettspiel (Ravensburger)
- Nitro Glyxerol (Zoch)
- Skull King – Das Würfelspiel (Schmidt)
Spielehits mit Freunden 2016
- Isle of Skye (Lookout), „simply the best“
- Codenames (Heidelberger)
- Gum Gum Machine (Huch)
- Magic: Die Zusammenkunft – Das Brettspiel (Hasbro)
Spielehits für Experten 2016
- Mombasa (Eggertspiele, Pegasus), „simply the best“
- Dynasties (Hans im Glück)
- La Granja (PD Verlag)
- Signorie (What’s your Game?)
Nationale Auszeichnungen
In zahlreichen Ländern werden inzwischen Spieleauszeichnungen vergeben. Das eine Mal von Jurys, das andere Mal durch Publikumswahl oder durch einen Verband. Zum Teil erhalten mehrere Spiele die Auszeichnung. Hier eine Auswahl. Gibt es das Spiel auf deutsch, ist der deutsche Titel genannt, in Klammer der Verlag, bei dem das Spiel bei uns erschienen ist. Zum Teil werden die 2016er-Preise erst noch vergeben, weil sich die Auszeichnung z.B. aufs Erscheinungsjahr bezieht. spielwiese.at wird die Liste aktualisieren.
| Bezeichnung | Land | Familie/Erwachsene | Kinder |
| International Gamers Award 2016 | international | Mombasa von Alexander Pfister (Eggertspiele/Pegasus); 7 Wonders – Duel von Antoine Bauza und Bruno Cathala (Repos Production) als bestes Zweipersonen-Strategiespiel | |
| Best Australian Game 2016 | Australien | Royals von Peter Hawes (Abacus) | Stone Age Junior von Marco Teubner (Hans im Glück) |
| Gouden Ludo 2016 (Vlaamse Spellenprijs) | Belgien | Familien: Codenames von Vlaada Chvátil (Heidelberger); Experten: Orléans von Reiner Stockhausen (dlp Games) | |
| Guldbrikken 2016 | Dänemark | Familie: Flick 'em up von Gaëtan Beaujannot und Jean Yves Monpertuis (Pretzel Games); Erwachsene: Codenames von Vlaada Chvátil (Heidelberger). | Raben schubsen von Marco Teubner(Moses) |
| Vouden Peli 2016 | Finnland | Familie: Otrio von Brady Peterson bei Marbles; Strategie: Die Schlösser des König Ludwig von Ted Alspach (Bezier Games); Party: Kivi von Sheyla Bonnick und Maureen Hiron bei Peliko | Muumipeikon Kalaretki von Reiner Knizia bei Peliko |
| As d’or – Jeu de l’annee 2016 | Frankreich | Mysterium von Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko (Libellud) | Ausgefuchste Meisterdiebe von Frédéric Vuagnat (Heidelberger) |
| Gioco dell'anno 2016 | Italien | Potion Explosion von Stefano Castelli, Andrea Crespi, Lorenzo Silva (Heidelberger) | |
| Japan Boardgame Prize 2015 | Japan | Mysterium von Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko (Libellud) | |
| Nederlandse Spellenprijs 2016 | Niederlande | Abenteuerland von Michael Kiesling und Wolfgang Kramer (Haba); Experten: Auf den Spuren von Marco Polo vonSimone Luciani, Daniele Tascini bei Hans im Glück | |
| Gra Roku 2016 | Polen | Codenames von Vlaada Chvátil (Heidelberger); Experten: Auf den Spuren von Marco Polo von Simone Luciani, Daniele Tascini (Hans im Glück) |
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| Jogo do Ano 2016 | Portugal | Mombasa von Alexander Pfister (Eggertspiele/Pegasus) | |
| Årets spel 2016 | Schweden | Familie: Otrio von Brady Peterson bei Marbles; Erwachsene: Ordglapp | Var är lilla kaninen |
| Swiss Gamers Award 2015 | Schweiz | 7 Wonders – Duel von Antoine Bauza und Bruno Cathala (Repos Production) | |
| Juego del Ano 2016 | Spanien | Pandemic Legacy – Season 1 von Matt Leacock und Rob Daviau (Z-Man) | |
| Hra Roku 2016 | Tschechien | Codenames von Vlaada Chvátil (Heidelberger) | Dr. Eureka von Roberto Fraga (Pegasus) |
| Mensa Select 2016 | USA |
Circular Reasoning von Tomer Braff und Edward Stevenson bei Breaking Games; Favor of the Pharaoh von Thomas Lehmann bei Bezier Games; New York 1901 von Chénier La Salle (Blue Orange Games); The Last Spike von Tom Dalgliesh bei Columbia Games; Weltausstellung 1893 von J. Alex Kevern (dlp) |
Graf Ludo 2016
Kategorie „Beste Familienspielgrafik“
Mysterium (Verlag: Libellud, Grafik: Igor Burlakov, Xavier Collette, Autoren: Oleksandr Nevskiy, Oleg Sidorenko). Begründung der Jury: "In der Art eines "Wimmelbildes" schafft der Grafiker ein Szenario, in das der Spieler fast virtuell eintauchen kann. Die Spielidee wird gänzlich durch die Grafik getragen."- Nominiert waren zudem Die blutige Herberge (Verlag: Pearl Games, Illustration: Luis Francisco, Weberson Santiago, Autor: Nicolas Robert) und Die Wände haben Ohren (Verlag: MeterMorphosen, Illustration: Philip Waechter).
Kategorie „Beste Kinderspielgrafik“
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Spookies (Verlag: Haba, Illustration: Michael Menzel, Autor: Stefan Kloß). Begründung der Jury: "Dem Grafiker ist die Gratwanderung gelungen, mittels kindertauglicher Elemente ein gruseliges Szenario zu schaffen, das auch auf Erwachsene nicht albern wirkt." -
Nominiert war außerdem Bauboom (Verlag: Amigo, Grafik: Gediminas Akelaitis, Autor: Arpad Fritsche) und Insektenhotel (Verlag: Logis, Illustration: Gediminas Akelaitis, Autor: Dennis Kirps, Christian Kruchten).
MinD 2016
Mitglieder der Organisation der Hochbegabten Mensa zeichnen in verschiedenen Ländern Spiele aus, die das logische Denken herausfordern und fördern. Seit 2009 tut das auch das deutschen Mensa-Netzwerk, nun in zwei Kategorien. Bei Spielen mit kurzer Spieldauer gewann den MinD 2016 Splendor von Marc André bei Space Cowboys, bei Spielen komplexerer Art war es Barragoon, ein Zwei-Personenspiel aus dem Eigenverlag WiWa Spiele der beiden Münchner Frank Warneke und Robert Witter. MinD steht übrigens für Mensa in Deutschland …
Essener Feder 2016
Im Rahmen des Deutschen Spielepreises wird jedes Jahr als Wanderpreis auch die Essener Feder für die vorbildliche Spielregel vergeben. 2016 an Stone Age Junior von Marco Teubner bei Hans im Glück.
Lernspiel des Jahres 2016
Nach wie vor unübersichtlich ist die Nachrichtenlage des früheren "Deutschen Lernspielpreises". Früher mal ein ernst zu nehmendes Auswahlverfahren, stimmt jetzt das Publikum der Stuttgarter Spielemesse nach Vorgaben einer Elternzeitschrift ab. Die Gunst fiel vergangenes Jahr auf Shiftago von Frank Warneke und Robert Witter bei WiWa Spiele.
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Man hört nicht auf zu spielen, weil man alt wird, sondern man wird alt, wenn man aufhört zu spielen.