Pimp my Portal
Über das frei erfundene Land Molthar herrschen Dunkelheit und das Böse. Die Bewohner hoffen auf ihren Berfreier. Der kann nur durch ein Portal nach Molthar gelangen. Soweit die Rahmengeschichte. Zur Umsetzung wurde eine an sich schon gute Spielidee mit allerhand Beiwerk aufgeladen.
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Nr. 1179: Die Portale von Molthar | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Oben: Die beiden Auslagen für Perlenkarten und Charakterkarten. Unten: Das Portal des Spielers (links davon seine Kartenhand). Bild: Amigo |
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Die gute Nachricht
Angesichts des Materials und der Spieltiefe sehr preiswertes Vergnügen.
Die schlechte Nachricht
So ansprechend die Illustrationen auf dem Großteil der Karten sind, die „besonderen Fähigkeiten“ sind grafisch leider nicht wirklich selbsterklärend.
Rein ins Spiel!
Also: Meine Frau hatte die Partie soeben gewonnen. Und, wie findest du’s? „Mir ist es zu technisch.“ Bei ihr kommt einem vernichtenden Urteil gleich.
Damit stand sie unter allen Testspielern allerdings allein da. Bei den anderen fand Die Portale von Molthar guten Zuspruch. Euphorie, das nicht, aber eben guten Zuspruch. Spielen wir wieder mal!, hieß es.
Was hat es also mit dem angeblichen „Technischen“ auf sich? Nun, in der Tat läuft es nach dem ersten Reinschnuppern recht schnell recht mechanisch ab. Das war gemeint: Karten von der Auslage ins Portal legen oder auf die Hand nehmen, ausspielen, zur Seite legen. Sinn und Zweck ist, auf diese Weise Karten zu sammeln und abzuegen, die zusammen mindestens 12 Machtpunkte ergeben. Das sind die Charakterkarten. Die anderen sind die Perlenkarten. Sie haben Werte von 1 bis 56 und sind die Vehikel fürs Spiel. Mit Perlenkarten erwirbt man Charakterkarten.
Bei den Perlenkarten hat es sich der Verlag angetan, Teile davon zu lackieren. Sie glänzen da und dort. Hübsch. Auf der Rückseite der Charakterkarten glänzen Diamanten. Auch hübsch. Aber ebensowenig spielentscheidend.
Spielentscheidend ist die Chancenabwägung, vor der man in jeder Runde steht. Vor uns hat jeder sein Portal, um in die Welt von Molthar zu gelangen – die Geschichte ist aber nicht wichtig. Das Portal hat zwei Plätze für zwei Charakterkarten, die hier auf Bereitschaft liegen. Zwei Charakterkarten befinden sich stets offen in der Auslage, sie kosten die angegebene Kombination an Perlenkarten. Perlenkarten haben, wie schon erwähnt, Zahlenwerte. Auf einer Charakterkarte steht beispielsweise „7788“. Bedeutet: man braucht zwei Perlenkarten mit einer 7 und zwei mit einer 8. Für jeden Zug liegen in der Tischmitte auch vier Perlenkarten offen. Wer an der Reihe ist, kann aus vier verschiedenen Aktionen drei beliebig – also auch zweimal, sogar dreimal dieselbe – anwenden:
- eine Perlenkarte nehmen
- mit Perlenkarten eine Charakterkarte nehmen und in sein Portal legen
- einen Charakter, der im Portal liegt, aktivieren, was schlussendlich zu den Machtpunkten führt
- oder alle vier offen liegenden Perlenkarten der Auslage durch neue ersetzen
Letztere Aktion ist für Ausweglose und solche Spieler, die anderen offensichtliche Chancen verbauen wollen, so nach dem Motto: Wenn ich schon nichts davon habe, sollst du auch nichts kriegen. Die Aktion ist mächtig, nicht unumstritten, und kann nerven, wenn sie von einem Spieler laufend angewendet wird.
Die Portale von Molthar wäre kein Spiel modernen Zuschnitts, wenn es Autor und Verlag dabei belassen hätten. Offenbar unvermeidlich ist das Beiwerk, wonach viele Charakterkarten dem Spieler noch zusätzliche Fähigkeiten verleihen müssen, etwa dass 3er Perlenkarten jeden Wert von 1 bis 8 annehmen können oder dass bei Aktivierung eines bestimmten Charakters der nachfolgende (!) Spieler eine Aktion mehr zur Verfügung hat. Nicht alles ist logisch und auch nicht alles ist zwingend erforderlich. Aber angeblich wollen die Spieler heutzutage solche Dinge. Sie machen Die Portale von Molthar etwas unübersichtlich.
Trotzdem: Gutes Spiel mit angemessener Dauer, zu viert ungefähr 45 Minuten. Insgesamt ein überwiegend erfreulicher Nachschub für Freunde kompakterer Kartenspiele mit an sich einfachen Regeln.
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Nochmals spielen? Ja. Aber meine Frau macht dann nicht mit. |
Rund ums Spiel
Das Rezensionsexemplar wurde von Amigo zur Verfügung gestellt |

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