Zuge-Dacht
Wer möchte nicht einen Wolkenkratzer in einer pulsierenden City errichten und damit alles andere in den Schatten stellen?! Gemach, mahnen die Stadtväter und reglementieren das Ansinnen mit wenigen, aber sehr durchdachten und schnell eingängigen Regeln.
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Nr. 1571: Tower up | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Die gute Nachricht
die Verzahnung der einzelnen Spielelemente ist großartig
Die schlechte Nachricht
Gibt es hier nicht (und wen das Plastik stört: anders ginge es nicht)
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Intelligent, spannend, ansprechend: Das Familienspiel Tower up. Bild: spielwiese.at |
Rein ins Spiel!
Wir haben eine fiktive Stadt mit fünf Stadtteilen. Wir wollen dort Wolkenkratzer errichten. Diese und ihre Standtorte müssen jedoch den Vorstellungen der Stadtväter entsprechen. Das ist quasi die Geschichte zum Spiel Tower up, dessen Original aus Frankreich kommt. Pro Partie geben die Stadtväter drei Bedingungen vor, vom Verlag Zielkarten genannt. Wer eine als Erster erfüllt, sammelt sieben Punkte, der Zweite fünf und der Dritte (und Vierte) drei Punkte. Im Spiel gibt es insgesamt zehn Zielkarten, man kann also sehr gut variieren. Wir halten die drei, die für Anfänger vorgeschlagen werden, für eine erste Partie wirklich passend.
Schauen wir uns diese drei Bedingungen/Aufgaben genauer an, dann bekommst du auch einen guten Überblick zum Spielmaterial und den Mechanismen des Spiels:
- Eine Aufgabe lautet, in allen fünf Stadtteilen vertreten zu sein. Dazu muss man nicht mehr sagen, außer dass der Stadt- = Spielplan die fünf Stadtteile in unterschiedlichen Hintergrundfarben voneinander abgrenzt.
- Eine weitere Aufgabe lautet, „In Gebäuden aller 4 Farben vertreten sein“. Wolkenkratzer und solche, die es noch werden, sind entweder weiß, schwarz, grau oder braun. In diesen vier Farben gibt es quadratische Bausteine, die aufgetürmt werden. Jeder Baustein entspricht einem Stockwerk. Dazu später mehr. Vertreten sein bedeutet, dass du als Spieler das Gebäude mit einem Dach in deiner Farbe abgeschlossen hast. Dass Wolkenkratzer dann doch noch weiter wachsen können, auch dazu später mehr. Die Dächer der Spieler sind in bunten Farben und setzen sich optimal vom eigentlichen Gebäude ab, was den Überblick recht problemlos macht.
- Eine dritte Aufgabe für Neulinge ist, in vier Gebäuden vertreten zu sein, die an einem Park errichtet werden. Parks sind besonders gekennzeichnet.
Für uns Wolkenkratzerbauer haben die Stadtväter rund fünf Dutzend Bauplätze ausgewiesen. Alle sind bereits mit Straßen erschlossen. Zu jedem Bauplatz führen zwischen einer und fünf Straßen. Und jetzt müssen wir die zwei entscheidenden Grundbedingungen der Stadtväter erläutern, die Tower up bestimmen. Die Stadtväter wollen nämlich Vielfalt und Abwechslung. Wolkenkratzer gleicher Farbe dürfen niemals nebeneinander stehen! Und wer auf einem Bauplatz mit dem Bauen beginnt, der muss gleichzeitig an dem oder den benachbarten Wolkenkratzern weiterbauen.
Verständlich wird es anhand eines Beispiels. Du willst – um der Erfüllung einer Aufgabe gerecht zu werden – auf einem bestimmten Bauplatz einen Wolkenkratzer beginnen. Weil links davon jemand schon einen weißen Wolkenkratzer begonnen hat und rechts davon jemand einen grauen Wolkenkratzer, kann der neue Wolkenkratzer nur braun oder schwarz werden. Du brauchst dafür nicht nur entweder einen braunen oder einen schwarzen Baustein, du brauchst auch einen weißen und einen grauen Baustein. Weil du bei den Nachbarn ja weiterbauen musst. It’s the law!
Du baust in diesem Beispiel also an drei Stellen. An einer davon musst du ein Dach setzen. Wo, bleibt dir überlassen. Egal ist es allerdings keinesfalls. Ein Dach steht – du erinnerst dich – für „vertreten sein“. Das ist das eine. Das andere ist die zweite Ebene des Spiels mit deinem persönlichen kleinen Spieltableau. Dort gibt es vier Reihen mit sogenannten Maschinenmarkern, die nicht zufällig den vier Farben der Wolkenkratzer entsprechen: eine Planierraupe in weiß, ein Lkw in braun, ein Bagger in grau, ein Muldenkipper in schwarz.
Bleiben wir nochmals im obigen Beispiel. Hast du einen braunen Wolkenkratzer begonnen, dann fährt dein brauner Lkw-Marker ein Feld vor. Hättest du dem neuen Wolkenkratzer die Farbe schwarz – und das ist wörtlich gemeint! – zugedacht, würde der schwarze Muldenkipper ein Feld vorrücken. Du hättest das Dach aber auch auf den weißen oder grauen Wolkenkratzer setzen können; egal, ob dort schon ein Dach obenauf ist – du hast einen Baustein und dann dein Dach drauf gesetzt. Das machst du, weil du auf deinem Tableau den weißen oder schwarzen Maschinenmarker vorwärts bringen willst. Für jedes Stockwerk unter dem Dach, das du aufsetzt, rückt der entsprechende Marker ein Feld vor. Am Spielende gibt es für jede Maschine separate Punkte – die Anzahl steigt dabei exponentiell. Damit nicht genug. Immer wenn alle vier Maschinen eine von vier bestimmten Spalten erreichen, darfst du einen zusätzlichen Zug durchführen! Das ist nicht nur verlockend, das ist oft auch spielentscheidend.
Was ist überhaupt ein Zug? Entweder du beginnst einen neuen Wolkenkratzer oder du besorgst dir neue Bausteine. Dafür stehen immer drei Karten in der Auslage, die eine unterschiedliche Anzahl von Bausteinen in bestimmten Farben zeigt. Genau genommen: Manchmal darf man sich die Farben auch aussuchen und manchmal sind Bausteine und Maschinen bestimmter Farben aufgezeichnet. Wer sich für eine der drei Karten entscheidet, nimmt sich das entsprechende Baumaterial beziehungsweise rückt die bestimmte Maschine weiter.
Du sammelst bei Tower up auf drei verschiedenen, aber miteinander sehr klug verzahnten Ebenen Siegpunkte: Durch Erfüllen der zu Beginn erwähnten Aufgaben, durch die verwendeten Maschinen und – strategisch ganz wichtig – durch die Anzahl der Dächer, die am Schluss obenauf sind. Auch dafür erhöht sich die Punkteanzahl exponentiell.
Dass die Partien meist mit knappen Punkteabständen zwischen dem Sieger und dem Zweiten oder auch Dritten enden, spricht für die Ausgewogenheit der Möglichkeiten von Tower up. Um zu gewinnen, solltest du allerdings mindestens eine der drei Aufgaben als Erster absolvieren, um die sieben Punkte zu kassieren. Sonst wird’s schwierig, auch wenn das Spiel sozusagen Fehler verzeiht und du in deiner Strategie oder Taktik fürs letzte Drittel noch umschwenken kannst.
Das Dilemma, dass du vielfach entweder gerade zu wenig oder die falschen Bausteine hast oder dich beim Dachsetzen für eine Farbe entscheiden musst, damit eine hinterher dümpelnde Maschine einen Schub bekommt, das wird dich immer wieder ereilen. Und weil das Bauen immer teurer wird, weil immer weniger Bauplätze zur Verfügung stehen, die keine oder nur wenige Nachbarn haben, das ist fast schon realitätsnah. Doch Tower up ist nur ein Spiel. Ein sehr, sehr gutes Spiel, dessen Potenzial du erst nach der ersten Partie so richtig auszuschöpfen beginnst, und das auch deshalb beste Unterhaltung bietet, weil alle Mitspieler zu jeder Zeit durch jeden einzelnen Zug betroffen sind.
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Nochmals spielen? Unbedingt. |
Rund ums Spiel Das Rezensionsexemplar wurde von Pegasus zur Verfügung gestellt |




… mit gutem Gefühl am Leben teilhaben können.