Ein unmoralisches Spiel
In der Welt der Finanz zählen keine Skrupel, sondern Elbogen. „Reichtum ist keine Schande!“ verkündet die Schachtel. Es geht um Geld, viel Geld. Am besten zu scheffeln, wenn man Andere schädigt.
Aus Die Spielwiese 60/2001
Wer träumt nicht davon, an der Börse das große Geld zu machen? Man liegt an einem malerischen Südseestrand, wirft hin und wieder einmal einen Blick in die „Financial Times“, um zu schauen, wie die Aktien stehen. Doch ohne Risiko ist dieses Glück nicht zu haben.
Viel Risiko ist auch bei Big Deal dabei, ein Börsespiel, das frisch aus Amerika zu uns gekommen ist. Woher auch sonst! Big Deal simuliert die Chancen und Risiken der Börse in einer sehr vereinfachten Form. Aber anders als an der richtigen Börse gewinnt nicht der Spieler, der die besten oder meisten Aktien hat, sondern wer am Ende das meiste Bargeld in der Hand hat. Das ist irgendwie beruhigend, wo man doch monatelang von all diesen überbewerteten „New Economy“-Werten gehört hat.
Dieses Bargeld wandert in dem Spiel hin und her. Man kauft und verkauft Aktien, man kauft so genannte Ressourcen. Damit hilft man Konzernen, an denen man Aktien hält, auf die Sprünge. Doch kaum wirft ein solcher Konzern Ertrag für einen ab, kommt ein Mitspieler daher und macht eine feindliche Übernahme! Blättert für den Konzern ein paar Millionen Spielgeld auf den Tisch und man kann sich nicht wehren, weil man zu wenig Geld hat.
Ist doch echt besch…! Und es ist nicht einmal sicher, dass man für alle Aktien, die man gerade losgeworden ist, auch den vollen Preis bekommt. Da gibt es ganz gemeine „Cash“-Karten, die man statt Bargeld einsetzen darf. Mit den „Cash“-Karten kann man außerdem von seinen Mitspielern Prämien kassieren. Wie bei der Mafia. Reine Willkür ist das!
Sie sehen es schon: Big Deal ist ein unmoralisches Spiel. Auch solche muss es geben, denn Spielen bildet schließlich immer einen Teil der Wirklichkeit ab. Und die Börse ist nun mal kein Mädchenpensionat.
Zart Besaitete sollten die Finger von diesem Spiel lassen. Big Deal ist etwas für Zocker-Naturen. Man muss einstecken können.
Vom Mechanismus her schwingt das Spiel allerdings feine Klinge. Sehr ausgeklügelt spielen die Elemente einander zu. Man startet mit fünf zufällig gezogenen Aktien in die Finanzwelt. Später gibt es pro Runde eine weitere. Also Glück muss man auch noch haben. Man kann Aktien auch aus dem Pool der Bank kaufen. Kaufen muss man auf jeden Fall Ressourcen, ohne die kein Konzern gegründet werden kann. Es gibt vier verschiedene Ressourcen, die immer teurer werden. Also so früh als möglich damit eindecken. Geld gibt es zum Beginn jedes Spielzuges für fertige Konzerne in der Auslage.
Wie schon erwähnt, geht das Geld raus und rein. Nur wer ständig seine Konzerne umbaut, ständig mit Aktien handelt, macht wirklich einen Schnitt. Der Spielverlauf ist hektisch, denn es passiert immer etwas. Man muss ständig beobachten, was sich gerade bei den Mitspielern tut. Ohne falsche Skrupel muss man zur feindlichen Übernahme blasen, wenn einem Gegner das Bare ausgeht. Denn das Spielende kann plötzlich kommen, sobald die siebte „Game over“-Karte gezogen wird, die irgendwo im Stapel lauert.
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Nr. 659: Big Deal |
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Spielwiese-Code | |
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2001: Amigo |
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… eine Beschäftigung, die für sich selbst angenehm ist.