Ganz schön viel Holz!
Wunderschön und mit 2,2 Kilogramm kein Leichtgewicht: Im Kleinverlag Chili Spiele ist eine ansprechende Mischung aus Lauf- und Bauspiel erschienen.
Die Spezies der Aufsteiger ist in der momentanen Wirtschaftskrise nicht gelitten und suspekt. Dieses Spiel handelt aber nicht von Karrieristen und wirtschaftlichen Emporkömmlingen, sondern hier geht's ums profane Kraxeln. Weil auch Leitern im Spiel sind, hätte man dem Spiel auch die im alpinen Raum gepflegte Sitte des Fensterlns als Thema unterjubeln könnnen. Dankenswerterweise haben das Klaus Zoch und seine Leute (siehe Hintergrund) nicht getan, sondern Die Aufsteiger als abstraktes Spiel belassen.
Prallvoller Karton
Ein stabiler Schuhkarton vor ist prall mit bunten Holzklötzen gefüllt und dementsprechend schwer. Zwei lange Klötze sind grau und werden hochkant in die Tischmitte gestellt, sie werden für den Spielbeginn rundherum mit den übrigen 33 bunten Klötzen umbaut. Wie, ist völlig egal, wenngleich man als Anfänger dem Rat in der Spielanleitung folgen sollte, die kleineren Klötze eher oben als unten zu legen.
Worum es geht, ist einfach zu erklären. Mit ihren Spielfiguren wollen die Spieler möglichst weit hinauf, wer am Ende am höchsten steht, hat gewonnen.
Bevor es gegen Ende zu fiesen Tricks und Gerangel an der Spitze kommt, beginnt Die Aufsteiger erst einmal recht gemächlich und unspektakulär. Wer an der Reihe ist, nimmt einen unbesetzten Holzklotz, versetzt ihn und zieht davor und/oder danach mit seiner Figur. Zum Einsetzen des Blockadesteins kommen wir später, und nur der Vollständigkeit halber: es darf auch gepasst werden.
Drüberschauen und Hochklettern
Die Spielfiguren sind so hoch, dass ihr Kopf gerade mal über einen flach liegenden 1er-Klotz sehen kann, deshalb kann eine Spielfigur auch problemlos ohne Hilfsmittel diese Höhendistanz überwinden und darauf gezogen werden. Zur Verdeutlichung: Ein 1er-Klotz ist ein halber Würfel, der ist dann ein 2er-Klotz, und das doppelte Ausmaß davon haben die 4er-Klötze. Für 2er- und 4er-Klötze braucht es schon Leitern. Je eine kleine und eine große führen die Spieler mit und dürfen sie pro Spielzug je einmal einsetzen.
|
|
|
|
Bild: Spielwiese |
Noch ragt das bunt gescheckte Gebilde an Klötzen scheinbar unüberwindbar vor den Spielfiguren auf. Klotz für Klotz wird abgetragen und unten angesetzt, damit die Spielfiguren langsam an Höhe gewinnen. Hier kommen sich die Spieler noch nicht in die Quere, aber das ändert sich nach einigen Runden, je nachdem wie forsch die Spieler die Sache angehen. Denn natürlich unterliegt der Aufstieg ein paar Regeln. Die wichtigste: Spielfiguren dürfen nur auf Klötze gezogen werden, deren obere Fläche die Farbe der Spielfigur oder neutrales Grau haben. Jeder Klotz hat dieselbe Farbgebung für seine sechs Flächen: Rot liegt immer gegenüber Gelb, Lila gegenüber von Grau und Dunkelblau gegenüber von Hellblau. Wie ein Klotz gelegt wird, flach oder hoch, und welche Farbe dann oben liegt, ist den Spielern überlassen.
Unterschiedliche Farbanordnung
Die "Kunst" bei Die Aufsteiger ist, den jeweils passenden Klotz für den nächsten Zug zu wählen und dabei auch die Möglichkeiten der Mitspieler im Auge zu behalten. Denn die Klötze sind nur scheinbar gleich. Die Anordnung der Farben ist unterschiedlich, mal ist die gewünschte Farbe an einer Stirnseite, mal auf einer Flanke. Und so eignet sich ein bestimmter Klotz im Moment vielleicht nur senkrecht aufgestellt, aber nicht liegend – doch für den nächsten Spieler wäre er eventuell nütze, was zu verhindern ist. Spätestens hier kommen die Blockadesteine ins Spiel. Am Ende eines Zugs darf man seinen Blockadestein auf einen freien Klotz legen: damit darf der Klotz nicht umgesetzt werden, und darf die Fläche weder verbaut noch von einer Spielfigur betreten werden. Ein Blockadestein bleibt eine Runde lang liegen und kann die anderen unglaublich nerven.
Gravierende Fehler werden bei diesem Spiel nicht verziehen. Denn die Situation spitzt sich buchstäblich zu, weil alle nach oben drängen, der Platz dabei immer knapper wird. Es ist normal, dass der eine oder andere Spieler zum Ausreißer, sozusagen zum Super-Aufsteiger wird und über einen hochkant gestellten 4er-Klotz und mit Hilfe der langen Leiter irgendwann plötzlich alle überragt. Das muss die Mitspieler nicht augeblicklich und zwingend beunruhigen. Um noch weiter zu kommen, braucht der Ausreißer ja weitere Klötze, für die aber oft zuerst einmal das "Fundament" fehlt. Mitunter muss der Ausreißer deshalb ein oder mehrere Runden aussetzen. Zeit für die anderen, aufzuholen und im besten Fall an anderer Stelle den Hochbau voranzutreiben.
Vorausschauen
Irgendwann ist es dann soweit, müssen die Spieler für ihre Züge aufstehen, weil (besonders zu zweit) der Bau eine schwindelerregende Höhe angenommen hat und man von allen Seiten nach der allerletzten Baumöglichkeit sucht. Dann ist der Zeitpunkt nah, wo man sich eingestehen muss: Okay, ein anderer war dieses Mal besser und vorausschauender, er ist nicht mehr einzuholen, er hat gewonnen. Oder man darf sich freuen, alle anderen hinter sich gelassen zu haben und sich als Sieger feiern lassen.
Makellose Arbeit
Keine Partie läuft gleich, und der Drang zur Revanche ist groß. Schon von der Spielidee her ist Die Aufsteiger spitze, und wird durch das Spielmaterial noch geadelt. Die Kleinverleger haben nicht nur bestes Holz ausgesucht, sondern für das makellose Auftragen der Farben absolute Könner ans Werk gelassen. Man spürt die Handarbeit.
Das Überraschende an dem Spiel ist sein Preis: angesichts des exzellenten Spielmaterials braucht Die Aufsteiger den Vergleich mit üblichen Brettspielen keineswegs zu scheuen. Und sicher ist: Die Aufsteiger wird nicht im Regal verstauben. Dazu sind Spielwitz und der Aufforderungscharakter zu hoch. Die Aufsteiger ist zeitlos.
![]() |
Nr. 1025: Die Aufsteiger |
|
|
Spielwiese-Code | |
|
|
|
|
Themen: Bergsteigen |
|
|
|
Rund ums Spiel
|
|



| E | 8 |
|
Anspruch
Glücksanteil
