Vergleichsweise viel verlangt
Mit Das Zauberschloss erwartet Haba ungewohnt viel taktisches Gespür von den Kindern.

Es ist ein Spiel für fingerfertige Kinder, heißt es in der Beschreibung des Verlages. Ja, darauf kommt es auch ein wenig an. Viel mehr ist Das Zauberschloss aber ein sehr taktisches Spiel. Und dafür ist die Altersangabe "ab 6 Jahre" tief genug gegriffen.
Es geht darum mit einer Reihe von Kniffen als Erster sein Zauberschloss zu bauen. Es besteht aus fünf Holzteilen, nämlich einem Spitzturm, einem Wehrturm, einer Schlossmauer, einem Pferdestall und einem Tor. Das Schloss muss bunt in fünf verschiedenen Farben fertiggestellt werden. Im Spielverlauf darf man anderen etwas klauen, hauptsächlich aber muss man sich auf detekivisches Gespür und Glück verlassen.
Denn die Teile werden aus einem Leinensack geholt, da ertastet man mehr oder weniger geschickt zwar die gesuchte Form eines Bauteils, aber die Farbe erkennen die Finger natürlich nicht. Es wäre zu einfach gewesen, Teile in der eigenen Farbe zu sich zu nehmen und Teile in fremder Farbe wieder zurück ins Säckchen zu geben.
So haben sich Autor Wolfgang Panning und der Verlag eine Geschichte rund um den Zauberer Grummlur ausgedacht, um das folgende Geschehen zu rechtfertigen. Zieht man einen Stein des Magiers - das sind die weißen -, dann kommt er auf das Spielbrett in der Tischmitte. Die Spieler selbst errichten ihr Schloss ohne Unterlage einfach vor sich auf dem Tisch. Der Spielfluss hapert daran, dass es bei jedem Spielzug eine Menge zu vergleichen gibt. Nach der ersten Runde hat jedes Kind einen farbigen Baustein. Ab der zweiten Runde hat man Pech, wenn man einen Stein in einer Form oder Farbe zieht, die bereits vor sich steht:
- hat der gerade gezogene Stein die Form eines schon vorhandenen, dann müssen beide zurück ins Säckchen
- ist es ein Stein in einer schon vor sich abgelegten Farbe, muss jener Stein zurück ins Säckchen, der schon länger vor einem steht.
Das ist ganz schön hart. Speziell, wenn das Spiel in Fluss kommen sollte, kann es auch ganz schön nerven, wenn keiner der Spieler Glück hat. Und es gibt noch die dritte Variante: Weiße Steine kommen auf den Bauplatz des Zauberers. Man muss dann die Form des Steins mit den eigenen Steinen vergleichen. Hat man einen Stein in der gleichen Form, dann gibt sich der Zauberer Grummlur zufrieden. Hat der Spieler am Zug noch keinen Stein in dieser Form, dann darf er einem der Mitspieler ein Bauteil der selben Form stibitzen. Sagt der Zauberer Grummlur. Voraussetzung ist allerdings wiederum, dass man in der betreffenden Farbe noch kein Schlossteil vor sich stehen hat.
Manchen Kindern gefällt dieses Hin und Her der Bauteile, das sich im Laufe des Spiels ergibt. Sie lassen es meist einfach auf sich zukommen, spielen nicht wirklich taktisch. Andere, vor allem jüngere, sind schlicht überfordert. Es ist ja auch unter Erwachsenen nicht jedermanns Sache, gezielt nach jenen Formen zu tasten, bei denen theoretisch die Chance auf Erfolg am höchsten ist. Schließlich könnte man es sich ausmalen: Welche Formen müssen sich noch in welcher Farbe im Säckchen befinden? Taste ich – zum Beispiel – nach dem Torbogen, dann ist die Wahrscheinlichkeit vielleicht gering, dass ich dieses Teil in der von mir gesuchten Farbe erhalte; vielleicht aber auch nicht, denn es könnte auch das weiße Tor des Zauberer sein dann könnte ich einen Mitspieler beklauen.
Wenn der Zauberer sein Schloss fertiggestellt hat, dann kommen alle Zauberer-Steine wieder ins Säckchen, damit das "Zauber"-Spiel wieder von vorne los geht. Anderes Thema und ein bisschen was rundum – es könnte ein Familienspiel sein.
Test 832: Das Zauberschloss
- Bauspiel für 2 bis 7 Kinder ab 6 Jahre von Wolfgang Panning bei Haba.
- Teil im Leinensack erfühlen und hoffen, dass man es anbauen kann. Dazu ist übermäßig viel Vergleichen mit den Bauten der Mitspieler erforderlich.
- Spielreiz: Taktiker überzeugt das Spiel, Kinder fahren "nur" aufs Material ab
- Material: gut
- Ca.-Preis: € 11,–

… die einzige Art, richtig verstehen zu lernen.