Partygäste aus der Vergangenheit
Leo Colovini ist ein Alleskönner unter den Spieleautoren. Auch vier Jahrzehnte nachdem er als blutjunger Co-Autor neben Alex Randolph † die Spieleszene betrat, macht er mit originellen Spielideen auf sich aufmerksam.
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Nr. 1579: Roaring 20s | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Die gute Nachricht
Ständiges Abwägen macht den Reiz des Spiels aus
Die schlechte Nachricht
Wenn, dann ist es das eigenartige Thema
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| Das sind Dinosaurier, für die die Spieler steigern. Die Zahl oben links ist wichtig für das Punkten mit Mehrlingen und Zahlenreihen, die Sterne rechts davon sind die Siegpunkte, die's auf jeden Fall gibt. Und unten befinden sich die Snacks, mit denen die Dinos gefüttert (bezahlt) werden wollen. Bild: Pegasus |
Rein ins Spiel!
Lassen wir das Thema des Spiels vorläufig bewusst beiseite. Roaring 20s ist ein Kartenspiel mit einem besonderen Dreh. Die Spieler steigern um Zahlenkarten, die auf jeden Fall eine bestimmte Anzahl an Siegpunkten bringen. Wer als letzter Bieter übrig bleibt, bekommt die Zahlenkarte und muss natürlich dafür den Obolus leisten. Alle, die vorher gepasst hatten, gehen aber nicht leer aus, sondern holen sich eine der ausliegenden Bietkarten, mit der sie in den kommenden Runden um eine neue Zahlenkarte steigern können. Wer zuerst passt, hat die größte Auswahl an Bietkarten. Es liegt immer eine Bietkarte weniger aus, als Spieler teilnehmen. Zu passen ist übrigens die einzige Möglichkeit zu neuen Bietkarten zu kommen.
Falls du genügend passende Karten zum Bezahlen der Zahlenkarte hast, wägst du demnach ständig ab: Lohnt es sich (weiter) zu bieten? Wäre der Spatz in der Hand – eine ausliegende Karte in der Tischmitte – nicht doch besser?
Jetzt ist es aber so, dass fürs Bezahlen nicht jede Karte auf der Hand infrage kommt. Damit müssen wir zum ziemlich schrägen Thema des Spiels kommen. Wir befänden uns angeblich in den Goldenen Zwanzigern und laden Dinosaurier (!) auf unsere glanzvolle Party ein. Diese Dinosaurier sind allerdings heikel. Sie mögen nur bestimmte Snacks. Es gibt drei verschiedene Snacks – einen Drink, einen Lavakuchen oder einen Fleischspieß. Manche Dinosaurier mögen nur zwei bestimmte Snacks, manche alle drei. Das sieht man am unteren Kartenrand. Nur mit passenden Karten kann geboten werden, wobei auch unterschiedliche passende Snackkarten zusammengezählt werden dürfen. Die Dinosaurier geben sich aber auch mit Klunkern zufrieden, mit denen sie dann auf der Party klimpern. Das sind eigene Bietkarten, aber die dürfen nicht mit den anderen gemischt werden. Entweder du bezahlst nur mit Klunkern oder nur mit Snacks!
Welches Tun rentiert sich bei Roaring 20s? Zwischen einem und fünf Siegpunkte ist jeder Dinosaurier ohnehin wert, den man ersteigert. Die Siegpunkte sind klar rechts oben gekennzeichnet, wie überhaupt die Grafik von Annika Heller ausgesprochen gut gelungen ist. Die Dinosaurier mit den Zahlenwerten 1 bis 10 kommen jeweils zwei- oder dreimal vor. Ersteigerte Zwillinge, Drillinge bringen entscheidende zusätzliche Siegpunkte, vor allem aber Zahlenreihen, die man mit den Dinosauriern bildet. Je länger, desto mehr Punkte gibt’s.
Ein Detail verdient besonderen Applaus der Partygäste. Wer passt, markiert mit seiner Meins!-Karte die gewünschte Bietkarte, die in der Mitte liegt. Hast du bei Spielende eine Dinosaurier-Karte mehrfach, darfst du eine davon aus dem Spiel nehmen und dafür die Meins!-Karte umdrehen und sie als Joker nützen. Das kann sich gerade für eine lange Zahlenreihe rechnen. Denn eine Partie Roaring 20s kann sehr, sehr knapp ausgehen.
Du siehst: Da steckt doch einiges drin in diesem kleinen Kartenspiel, über dessen Thema man trefflich streiten kann.
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Nochmals spielen? Durchaus. Am besten zu viert oder gleich zu fünft. |
Rund ums Spiel Das Rezensionsexemplar wurde von Pegasus zur Verfügung gestellt |




Man hört nicht auf zu spielen, weil man alt wird, sondern man wird alt, wenn man aufhört zu spielen.