"Die Toten Hosen" gehören genauso dazu wie Bürger Lars Dietrich, Ralf Möller oder Stefan und Erkan. Und am Wochenende kommen die Games-Autoren, -Ausstatter und -Regisseure. Auf und rund um die Gamescom in Köln feiert sich eine Generation und ihre Ikonen dürfen da nicht fehlen. Die neue Leitmesse für interaktives Spielen ist zuerst einmal eines: laut. Die Spielwiese hat sich in Köln in den akustischen Wahnsinn gestürzt.
Laut im wahrsten Sinne des Wortes: In den vier riesigen Entertainment-Hallen dröhnen die Games-Anbieter gegeneinander an. Mit dem Handy telefonieren in einer der Hallen ist praktisch unmöglich. Laut auch in der Anpreisung: ein wahres Marketing- und Werbefestival um die Gunst der zumeist jungen männlichen Spieler. Frauen fallen fast genauso auf wie Leute jenseits der 35.
150 Premieren in Köln
Seit gestern sind sie alle in den Hallen zugelassen (der Mittwoch war den Medien und dem Fachpublikum vorbehalten). Bis Sonntag werden auf Europas größter Computer-und Videospielemesse mehr als 200.000 Besucher erwartet. Rund 420 Unternehmen aus 30 Ländern zeigen Neuheiten. Es sind etwa 150 Premieren aus nahezu allen Bereichen: Sport- und Musikspiele, Action und Abenteuer, Info- und Lernspiele.
Besucher können die neuen Spiele auf der Messe testen. Das geht einfacher als beim Brett- und Kartenspiel: In den Hallen sind etwa 10.000 Spielstationen aufgebaut und vorbereitet. Kein mühseliges Aufbauen von Klötzchen, Pöppeln und so weiter. Die Gamer machen ihr Ding sowieso mit Intuition.
Selbstbewusst gegen Vorurteile
Gute Idee: Die Besucher erhalten an den Eingängen farbige Armbänder, die ihnen den Zugang zu Spielen für ihre Altersklasse erlauben. Auch ansonsten liegt ein Schwerpunkt auf dem Thema Kinder- und Jugendschutz: In einem Ausstellungsbereich geben Vereine und Institute Tipps zum richtigen Umgang mit interaktiven Medien. Bei einem vom Land Nordrhein-Westfalen organisierten Kongress diskutierten Politiker, Wissenschaftler und Branchenvertreter am Donnerstag über die Auswirkungen von Computerspielen auf die Gesellschaft. Den bekannten Vorbehalten gegenüber den "gefährlichen Spielen" tritt man mit Selbstbewusstsein entgegen.
Langes Schlange stehen
Was gibt es für Trends? Was ist wirklich neu? Die Eingefleischten finden sich auf Anhieb zurecht und nehmen auch langes Warten in Kauf, um in abgeschirmten "Kinos" die Trailer zu den Bestsellern von morgen sehen zu können oder sie gleich auszuprobieren. Vieles dreht sich um "Singstar", "Guitar Hero" und deren Klone, aber nach dem Wii-Erfolg kommt auch immer mehr Bewegung in die Spiele(r): Gezeigt wird auch ein Skater-Simulation auf einem elektronischen Skateboard – Skater-Legende Tony Hawk hat dafür den Namen hergegeben und ist am Freitag einer der Stars der Messe.
Die Bilderwelten verschmelzen
Eines ist nicht zu übersehen: Videospiele und Fernsehen wachsen in verschiedener Hinsicht immer mehr zusammen. Mit Unterstützung von MTV hat jetzt sogar Lego ein "Rock Band"-Spiel im Programm. Die ProSiebenSat1-Gruppe startet Ende dieses Monats mit einer eigenen Social-Gaming-Plattform im Internet. Und die Kölner Messe ging selbst mit wöchentlichen Sendungen ins Internet-Fernsehen.
Allein in Deutschland spielen 21 Millionen Menschen
Die ausstellenden Unternehmen und die Fachbesucher wollen auf der Gamescom die Grundlagen fürs Weihnachtsgeschäft legen. Die Branche sieht sich trotz Wirtschaftskrise im Aufwind, vor allem dank neuer Zielgruppen. Allein in Deutschland gibt es inzwischen 21 Millionen Menschen, die am PC, auf der Konsole oder dem Handy spielen.
Insgesamt wird die Industrie voraussichtlich rund 2,7 Milliarden Euro mit Konsolen und Spielen einnehmen, ein Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Gamescom war bislang unter dem Namen Games Convention in Leipzig veranstaltet worden. Anfang 2008 beschloss der Branchenverband den Umzugder erfolgreichen Messe nach Köln, weil er dort größere Wachstumschancen sieht.
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