AUSZEICHNUNG. Die diesjährige Preisvergabe der Jury Spiel des Jahres hat mehrere Premieren beschert. Am Montag war Gelegenheit, mit Autoren und Verlagen ein paar anekdotenhafte Hintergründe zu besprechen.
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Nach langer Wartepause hat es dieses Jahr für Altmeister Reiner Knizia wieder geklappt. Er wurde für Rebirth, erschienen bei Frosted Games, mit dem Preis Kennerspiel des Jahres 2026 ausgezeichnet. Er ist damit der erste Spieleautor, der in allen drei Kategorien den Hauptpreis überreicht bekam. 2008 war es für Keltis als Spiel des Jahres sowie für Wer war's? als Kinderspiel des Jahres der Fall. Beide Preise im selben Jahr, das war schon damals ein Unikum, das sich seither nie mehr wiederholt hat.
Gut England braucht Weile
Reiner Knizia, 1957 geboren im bayerischen Illertissen, hat lange Zeit in England gelebt. spielwiese.at wollte deshalb von ihm wissen, ob die Wahl von Schottland und Irland auf den beiden Seiten des Rebirth-Spielplans eine besondere Bedeutung habe. „Ich wollte immer ein Spiel über England machen“, holte Knizia aus, machte er auch, doch „das erste wurde dann … zu Taj Mahal (2000, Alea; Anm.), das zweite Spiel über England kam dann als … Sumatra heraus (2020 englisch/spanisch bei Ludonova; Anm.). Wieder zurück in Deutschland habe ich hier auf Großbritannien, auf Schottland bestanden. Meine Lieblingsregion!“ Für die Jury ist das Spiel übrigens fast schon "altmodisch", weil es klassische Elemente hat und nach Jahren voller Kooperationsspiele (endlich) wieder schön kompetetiv ist. Das Spiel kam bereits 2024 auf Englisch beim maltesischem Verlag Mighty Boards heraus.
Auf der Pressekonferenz am Montag verplapperte sich Knizia, aber vielleicht war es von dem Spielefuchs auch Absicht: Bei der Schilderung, was man mit einem Plättchen bei Rebirth alles machen könne, nannte er als einen Ort „den Hafen“. Nur, den gibt es gar nicht. Häfen werden somit in der Fortsetzung des neuen Kennerspiel des Jahres eine Rolle spielen. Bei „Rebirth II“ werde es sich nicht um eine Erweiterung handeln, sondern um ein eigenständiges Spiel, verriet Reiner Knizia spielwiese.at.
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Jury, Verlagsvertreter und Autoren Florian Sirieux (3.v.l.), Martin Ang (5.v.l.) und Reiner Knizia (2.v.r.) präsentieren die Preisträger 2026.
Bild: spielwiese.at
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Das erste Mal zweimal hintereinander
Und noch ein Fakt zum neuen Kennerspiel des Jahres: Frosted Games ist der erste Verlag, der in zwei aufeinander folgenden Jahren das Kennerspiel des Jahres gewinnen konnte: 2025 mit Endeavor – Die Tiefsee und 2026 eben mit Rebirth.
Skepsis und ein überzeugender Vierjähriger
Auch beim Kinderspiel des Jahres kam es bis 2026 nicht dazu, dass das gleiche Spiel sowohl von der Kinderspieljury des Jahres wie auch mit dem französischen Pendant, dem As d’Or undausgezeichnet wurde. Der Preis geht, wie gestern schon berichtet, an den Franzosen Florian Sirieux und an Kosmos für die deutsche Lokalisation von Die Insel der Mookies. Ein Kinderspiel für zwei? Da herrschte anfangs bei Kosmos in Stuttgart große Skepsis, ob das funktionieren kann. Die Reaktionen der Kinder, die es testen durften, überzeugten jedoch den letzten Schwaben.
Angefangen hatte alles vor zwei Jahren, schildert Autor Florian Sirieux. Sein Sohn Robin war vier und ein großer Pokemon-Fan. Fürs Lesen und Rechnen mit den Pokemon-Sammelkarten war er allerdings noch zu jung, erklärte ihm der Vater. So ersann er ein altersgerechtes Kartenspiel, bei dem es ebenfalls ums Sammeln eigentümlicher Charaktere geht. Und klein Robin steuerte dann noch ein Element bei, das das Spiel noch zusätzlich aus der Masse hervorhebt: Das Poster, auf das die Kinder Namen für ihre kleinen Geister schreiben können. „Mein Sohn hat gesagt, dieses Mookie würde ich den Namen X geben und das Mookie so nennen … Ich erzählte das dem Verlag (Scorpion Masqué, Anm.), das müssen wir unbedingt machen!“ Der Kinderwunsch wurde erfüllt.
Einblicke in einen fernen Markt
Bei der Jury Spiel des Jahres ist seit Jahren immer auch eine politische Agenda dabei. Das aktuelle Spiel des Jahres, Dito! bei Game Factory, ist der erste Preisträger aus dem "globalen Süden", es „setzt auf Gemeinschaft“, sagt Vereinsvorsitzender Harald Schrapers, und es sei doch irgendwie eine tolle Sache, wenn man hier in Berlin das gleiche Spiel spiele wie jemand in Surabaya in Indonesien. Warum Indonesien? Der Autor Martin Ang von Dito! ist von dort.
In Berlin wurde Martin Ang natürlich befragt, wie stark Spielen in seiner Heimat verbreitet ist und wie Dito! dort eigentlich ankommt. Nun, sein Spiel werde in Indonesien gern und häufig gespielt, versichert er und er selbst gehört zu einer Handvoll kleinerer Verleger in Südostasien, die alle gut miteinander vernetzt wären, in ihren Ländern in Summe erst einen Bruchteil der Spieler bedienten, die allein Thailand aufweise: Thailand sei der große Markt für Brettspiele in der Region. Von Dito! gibt es bereits seit dem Vorjahr eine eigene Version auf Thai, übrigens auch auf Koreanisch.
Bei den Kategorien und Fragen gibt es recht viele Unterschiede zwischen den einzelnen Länderausgaben, erklärten Ang und Lukas Thiel von Game Factory. Das ist einleuchtend, Partyspaß ist länderabhängig. Das Verbindende und Originäre aber, so Martin Ang, „ist dieses Tic Tac Toe-Element und dass du immer drei Möglichkeiten zur Beantwortung hast“.
Übrigens rauchen nicht erst seit gestern Abend die Köpfe in verschiedenen Sprachen, was auf den Erfolg des Wörterspiels noch draufgesetzt werden kann. Wir werden es bald erfahren.
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