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Spielwiese-Test 1332: Overbooked

Optisch overloaded

Kaum etwas ist ärgerlicher, als am Gate als Fluggast zurückgewiesen zu werden, weil die Maschine überbucht sei. Das Jumbo-Spiel nimmt das als Thema auf. Überbordend illustriert, aber dennoch realitätsfern.

 

Nr. 1331: Overbooked | Spielwiese-Code  |  | G | 10 |  |


2019: Jumbo

 Was ist's? 
  • Setzspiel für 1 bis 4 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Daryl Chow
  • Grafik: Gyom
  • Spieldauer: 30-40 Minuten
  • Verlag: Jumbo
  • ca.-Preis: 30,– €

 Für wen?  

  • Familien und solche Menschen, die dem Unmut am Flughafen etwas Spielerisches entgegensetzen

 Was braucht's?  

  • Räumliche Vorstellungskraft!
 

 

 
  Für Overbooked braucht es einen großen Tisch. Das Spielmaterial ist ausladend.

Bilder: Jumbo, spielwiese.at

 

Beispiel einer Passagierkarte in der Auslage:  Zwischen blauem und grünen Passagier muss ein Platz Abstand sein, in der Reihe davor (oder seitlich oder dahinter – die Karten dürfen gedreht werden!) kommt ein gelber Passagier in die optimische Mitte der beiden, wieder eine Reihe entfernt müssen ein gelber und ein roter Passagier genau so platziert werden, wie auf der Passagierkarte angezeigt.

Auf der Passagierkarte liegt ein Essensgutschein. Den hat ein voriger Spieler hingelegt, um dafür eine nachfolgende Passagierkarte der Auswahl nehmen zu dürfen. Den Essensgutschein streift der Spieler ein, der sich für diese Passagierkarte entscheidet.

   

 Die gute Nachricht  

einfacher Mechanismus

 Die schlechte Nachricht  

Gestaltung schießt da und dort übers Ziel


 Rein ins Spiel!  

Flugscham, Klimakrise. Plastik hätte da gerade noch gefehlt! Dafür hat Jumbo nicht mit Karton gegeizt. Man braucht „ziemlich viel Tisch" für das Spiel. Es simuliert einen allen Fluggästen vertrauten Ablauf: Durchschreiten der Sicherheitsschleuse (Vorrat), Gang zum Gate (Auswahl), Flieger besteigen (Platzieren des relevanten Spielmaterials). Neben der „Infrastruktur" eines Flughafens in der Tischmitte hat jeder Spieler einen großen Spielplan vor sich. Er stellt ein Flugzeug einer eigenen Airline dar. Dieses Flugzeug soll möglichst effizient ausgelastet werden. Das ist das Spielziel.

Freilich: Im richtigen Leben ist es nicht so, dass sich die Airlines ihre Passagiere am Flughafen herauspicken. Aber es ist ja ein Spiel.

Menschliche Schwäche

Das Problem dabei ist, sowohl spielmechanisch als auch – vor allem biologisch! –, die mangelnde räumliche Vorstellungskraft vieler Menschen. Bei Overbooked kommen die Passagiere in bunten Gruppen daher, mal zwei, mal fünf, und wollen laut Vorgabe der Passagierkarten, auf denen sie schematisch abgebildet sind, im Flieger in ganz ganz bestimmten Konstellationen bzw. an bestimmten Plätzen sitzen. Der einzelne Flieger der Spieler wiederum hat nur ein beschränktes Angebot. Verschärft wird dieses Angebot dadurch, dass es in Sitzbereiche unterteilt ist und pro Spielzug Passagiere nicht auf die verschiedene Sitzbereiche aufgeteilt werden dürfen (möglich ist das nur in bestimmten Ausnahmefällen).

Einfaches Prinzip

Ein Spielzug beginnt damit, dass man sich für eine von vier Passagierkarten in der Auslage entscheiden muss. Dass die Spieler dazu die eine oder andere Passagierkarte erst einmal in die Hand nehmen und über ihren Sitzbereichen in verschiedene Richtungen drehen, um die Möglichkeiten auszuloten, sollte anfangs toleriert werden. Siehe oben.

Die Passagierkarte, die am nächsten zu den Flugzeugen liegt, kostet nichts. Für die anderen müssen Essensgutscheine investiert werden, die natürlich nicht endlos zur Verfügung stehen. Auf den Karten sind Senioren (grün), eine Gruppe Rugbyspieler (blau), Kinder (weiß), Freunde (gelb) und Liebespaare (rot) willkürlich verteilt. Kinder dürfen am Spielende niemals auf Plätzen sitzen, die nicht von Erwachsenen umgeben sind. Sonst gibt es keine Punkte. Für Verliebte gibt es nur Punkte, wenn sie neben- oder hintereinander sitzen. Rugbyspieler, Freunde und Senioren als "Rudeltiere" zählen nur, wenn sie in möglichst großen Gruppen Platz genommen haben. Eigentlich ganz einfach, würde man annehmen.

Hat man sich für eine der vier Passagierkarten entschieden, werden die Passagiere – kleine bunte Kartonkärtchen – im Flieger entsprechend platziert. Immer mit dem Gedanken, die vorläufigen Lücken im Laufe des Spiels mit passenden Passagieren gefüllt werden. Ein Prinzip, das viele zum Beispiel von Café International her kennen (dort ist es allerdings deutlich einfacher). Unter den insgesamt 81 Passagierkarten gibt es alle möglichen Konstellationen. Auch mehrere wirklich harte Nüsse. Der Spielverlauf hängt sehr stark davon ab, wann welche Passagierkarten in die Auslage kommen.

Das Spielprinzip von Overbooked ist sehr einfach. Jeder Zug besteht aus nur zwei Aktionen: Passagierkarte auswählen, Passagiere nach den Vorgaben auf Plätze verteilen. Overbooked kann dabei überraschend "plötzlich" enden. Dann, wenn eine Passagiergruppe nicht mehr vorrätig ist. Man sollte deshalb im Auge behalten, welche zur Neige gehen! Für die Endabrechnung gut zu wissen: Verliebte schlagen überdurchschnittlich positiv zu Buche, auch übrig gebliebene Essensgutscheine fetten das Kraut ordentlich auf. Hingegen sind Passagiere, die „überbucht“ wurden, wahre Punktefresser. Bei zu vielen „Überbuchten“ rutscht man bei der Punktevergabe leicht wieder an die Nulllinie heran.

Überflüssig

Zum Festhalten der Punkte am Spielende dient ein eigenes Gepäckband. Es ist unübersichtlich. Hier sich der Grafiker ausgetobt, ohne auf die Funktionalität zu achten. Auch die Spielanleitung ist kein Glanzstück. Die nicht unwesentlichen Piktogramme für Sitzplätze am Gang, in der Mitte oder am Fenster sind schlecht erklärt. Und zum ausufernden Material gehört auch ein Tower. Er markiert den Startspieler, ist als 3D-Teil auch gut gemeint – aber gut gmeint und gut gelöst sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Eine Futzelei beim Zusammenbau und eigentlich überflüssig.

Abgesehen davon und der abschließend zu klärenden Frage, was es mit dem titelgebenden Umstand genau auf sich hat, ist Overbooked ein gutes Spiel. Im Trachten nach einer für die Punktewertung optimalen Sitzverteilung dürfen bereits einmal platzierte Passagiere wieder aus dem Flugzeug entfernt werden, um einer besseren Konstellation Platz zu machen. Diese Passagiere werden als "überbucht" auf die Flugzeugtreppe verbannt und zählen zum Schluss Minuspunkte.

Die Realität schaut Gottseidank etwas menschenwürdiger aus. Im wirklichen Leben werden überbuchte Fluggäste erst gar nicht in den Flieger gelassen.

 

 

 Nochmals spielen?  

Es hat was, trotz Mängel. Am Ende ist es aber doch Geschmacksache.

 Rund ums Spiel  
  • Spielanleitung zum Herunterladen
  • Durch Sonderkarten und spezielle Szenarien kann Overbooked strategisch verfeinert und/oder auch für Einzelspieler „aufgepimpt“ werden

Das Rezensionsexemplar wurde von Jumbo zur Verfügung gestellt

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