Wie man eine Stadt baut und sie auch verteidigt
Auf die diesjährige Auswahlliste hat es La Città verdientermaßen geschafft, in den Endspurt um die Trophäe Spiel des Jahres nicht.
Aus Die Spielwiese 56 (2000)
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Auf Wabenfeldern bauen die Spieler ihre Städte aus, auf jedes Gebäude gehört ein Bürger. Das „Dreieck“ in der Mitte ist ein Landwirtschaftsbereich und bringt Nahrungschips. |
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Da es offizielle Begründungen der Jury nicht gibt, sind jene, die dem Spiel gute Chancen auf den Titel eingeräumt hatten, auf Spekulationen angewiesen: La Città wird wohl um eine Spur zu komplex gewesen sein, und die Spieldauer ist alles andere als familienfreundlich. Es ist sehr ansprechend und gefinkelt, Freunde von Materialschlachten und vielen ineinander verwobenen Elementen und Mechanismen kommen voll auf ihre Kosten.
Die Story
Die Geschichte zum Spiel ist schlüssig. Wir befinden uns in der Blütezeit der italienischen Stadtentwicklung (La città heißt Die Stadt) und die verschiedenen Kapitalen buhlen um die noch besseren und noch schöneren Einrichtungen, um ihre Bürger bei der Stange zu halten. Dies ist wörtlich aufzufassen: Hat eine Stadt auf dem Kultursektor wenig anzubieten, wandern die Bürger zur nächst gelegenen, wo ihre Bedürfnisse besser befriedigt werden. Der eine „Stadteigner“ hat das Nachsehen, denn er verliert an Einfluss, der andere darf sich über den Populationszuwachs freuen – sofern er die neuen Mitbürger auch im Stande ist zu ernähren.
Der Autor hat für sein Spiel die Möglichkeiten der Wabenfelder erkannt, was nicht erst seit den Siedlern von Catan opportun ist, seither aber immer einen schalen Beigeschmack der Kopie hat. Zu Unrecht. Zwar gibt es auch bei La Città Nahrungsplättchen und Einnahmen aus angrenzenden Feldern – die Gesamtkomposition des Spiels ist aber eine ganz andere.
Der Ablauf
La Città wird in einem starren Ablauf von Runden und Aktionen gespielt, sechs Spieljahre, um genau zu sein. Während dieser sechs imaginären Jahre haben die Spieler Zeit, ihre Städte zu entwickeln. Es beginnt auf einem wirklich riesigen Spielplan, auf denen Landwirtschafts-, Gebirgs- und Gewässerteile in die dafür vorgesehenen Bereiche platziert werden (zum Kennenlernen gibt es vorgegebene, sehr gut funktionierende Grundaufstellungen). Drum herum verlaufen Verbindungen aus Hexfeldern, wo als nächstes einmal die jeweils beiden Castellos (Städte) jeden Spielers als sein Startkapital gelegt werden. Angrenzende Landwirtschaft bringt Nahrungschips, angrenzendes Gebirge Gold aus Schürfrechten. In jede neue Stadt kommen drei Bürger – putzige und sehr detailreiche kleine Figuren.
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Die Gebäude weisen ein oder mehrere Bögen auf. |
Nun beginnt ein Spieljahr, die weiteren fünf werden auf dieselbe Weise „durchlaufen“. An einem Spielfeldrand ist Platz für vier Karten Stimme des Volkes, die erste wird aufgedeckt. Sie gibt eine erste Ahnung, was die Bürger in Summe am Ende des Jahres als wichtigstes Bedürfnis betrachten: Gesundheit? Kultur? Bildung? Diese drei Bereiche sind durch Farben gekennzeichnet – die Wahl bzw. Kombination der Farben mit dem übrigen Spielmaterial ist jedoch zum Teil missgeglückt.
Noch ist also nicht viel passiert in diesem Jahr, Vorentscheidungen kommen jetzt durch die Einkommen aus Steinbrüchen (man erhält – hoffentlich – Gold) und es gibt einen natürlichen Zuwachs an Bürgern für jede Stadt, nämlich einen pro Stadt. Mit den nun folgenden fünf Politikrunden kommt endlich Bewegung in das Spiel. Reihum setzt jeder Spieler eine Aktion, für die entweder Aktionskarten oder Politikkarten braucht. Aktionskarten sind alle gleich und jeder Spieler hat gleich viele davon. Sie erlauben beispielsweise die Errichtung einer neuen Stadt oder eines Gebäudes. Die Politikkarten liegen am Spielfeldrand in der Auslage, man kann eine auswählen und sofort ausspielen. Ohne sie kommt man zum Beispiel nicht an „wertvolle“ Gebäude oder andere entscheidende Vorteile. Die Auslage wird anschließend sofort wieder mit einer neuen Politikkarte vom Vorrat ergänzt.
Das Wandern
Bevor wir schildern, was während der Politikrunden passieren kann, sind fürs bessere Verständnis die restlichen Abläufe eines Jahres zu erklären. Nach den fünf Politikrunden wird die Stimme des Volkes ermittelt: Es zählt die Kategorie, die die Mehrheit der Karten hat (bei Gleichstand gibt es eine vernünftige Sonderregel). Nun „wandern“ die Bürger. Nehmen wir an, die Bürger waren dieses Jahr ganz scharf auf Bildung, das sind Gebäude mit schwarzen Bögen. Grenzen zwei oder mehrere Städte aneinander, wird verglichen, welche mehr schwarze Bögen hat. Beispiel: Stadt A hat zwei, Stadt B gehört dem Startspieler und hat drei und Stadt C hat vier. Da die Abrechnung beim Startspieler beginnt und dann im Uhrzeigersinn fortgestetzt wird, ergibt sich Folgendes: B nimmt von A einen Bürger auf, A kommt als nächstes an die Reihe, hat nur noch einen schwarzen Bogen und somit kann er keinen Zuwachs feiern. Nun rechnet C ab und nimmt B den gerade lukrierten Bürger wieder weg.
Die Versorgung
Wäre alles watscheneinfach, gäbe es nicht als letzten Fixpunkt eines Jahres die „Versorgung der Bürger“. Reihum müssen die Spieler nun überprüfen, ob sie ihre Einwohner auch ernähren können. Pro Bürger in all seinen Städten benötigt man einen Nahrungschip – sonst muss man entsprechend viele Bürger in den allgemeinen Vorrat zurückgeben und verliert mitunter auch noch Gebäude, sprich Felder dadurch. Denn bis auf wenige Ausnahmen braucht jedes Gebäude einen Bürger, um gewertet zu werden. Keine Bürger = kein Gebäude = schlechte Voraussetzungen fürs nächste Jahr.
Nahrungschips erhält man, indem man einen Bauernhof an ein Landwirtschaftsfeld baut.
Das geht mit einer Aktionskarte, womit wir wieder zurück bei den Politikrunden sind. Die drei Aktionskarten, die man pro Jahr hat, reichen nicht für alle fünf Politikrunden aus, weshalb man zwangsläufig auch auf die Politikkarten in der Auslage angewiesen ist. Dort kann etwa die Politikkarte Universität (drei schwarze Bögen) liegen, der Bau kostet dann aber zusätzlich Gold. Gold gibt es pro Runde einmal durch entsprechende Nachbarschaft zu Gebirgsfeldern. Was bei den Nahrungschips die Bauernhöfe sind, sind hier die Steinbrüche. Möglichst viele von ihnen zu bauen, ist spielentscheidend, denn ohne Goldeinkünfte ist man rettungslos verloren. Unter den Politikkarten gibt es auch solche für den Bau von Hospitälern. Sie sind der Joker im Spiel, denn als einziges Gebäude wertet das Hospital für zwei Bereiche, nämlich je einen Bogen für Bildung (Schwarz) und Blau (Gesundheit). Wie wird überhaupt gebaut? Man erwirbt ein gewünschtes Gebäudeplättchen (sechseckig) und fügt es seiner Stadt an.
Die Strategie
So wachsen die Städte, gewinnen Einfluss und vergrößern aber buchstäblich den Hunger ihrer Bewohner. Neben dem Schicksal, nicht rechtzeitig auf die Versorgungskapazität seiner Bewohner geachtet zu haben, ist der Hauptfehler der neuen La Città-Spieler, alles für die Erweiterung einer bestimmten Stadt zu planen, um dann festzustellen, dass sie gar keinen übrigen Bürger mehr hat, der auf das zusätzliche Gebäude gestellt werden muss. Also Vorsicht, die Tücken stecken im Detail! Städte können sich bis auf ein freies Feld einander nähern. Aber schon bei einem Abstand von zwei freien Feldern gelten Städte als benachbart und es kommt zum Vergleich.
La Città ist für zwei bis fünf Spieler. Je mehr, desto besser! Aber planen Sie mehr Zeit ein als auf der Schachtel angegeben: 90 Minuten sind die absolute Untergrenze! Ob sie gewinnen, nämlich insgesamt die meisten Bürger zu haben und diese auch ernähren zu können, hängt ganz von Ihnen ab. Legen Sie sich eine Gewinnstrategie zurecht und rücken Sie möglichst wenig davon ab, auch wenn Ihnen die Auswahl der Politikkarten oder die Stimme des Volkes zwischendurch gerade Mal nicht hold ist. Expandieren Sie überlegt: Meist ist es gescheit, seine Kräfte auf eine Stadt zu bündeln. Punkten Sie gegen Ende des Spiels womöglich mit Neugründungen von Städten, solange dies freie Felder noch zulassen. Hier können Sie eventuell mit geringem Aufwand noch wichtige Steinbrüche errichten und Gold kassieren. Der Ausbau dieser „neuen“ Städte wird meist zweitrangig sein, aber die paar Bürger, die darauf stehen, können spielentscheidend sein. Und ebenfalls ganz wichtig: Bauernhöfe und Steinbrüche sollten sich nahe dem Castello befinden, sonst blüht Ihnen womöglich ihr Verlust. Denn eine Stadt wird nach Wanderungen der Bürger immer von außen nach innen rückgebaut, wenn notwendig. Einen Bauernhof abgeben bedeutet, auch entsprechend viele Nahrungschips abgeben zu müssen.
Fazit
Man sieht also, La Città ist im wahrsten Sinn des Wortes kein Kinderspiel. Wer Anspruchsvolles mag, die Zeit und auch die passenden Freunde dazu hat, der wird von diesem Spiel nicht mehr die Finger lassen können.
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Nr. 606: La Città |
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Spielwiese-Code | |
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Themen: Städte
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Auszeichnungen
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