Die Illustration macht die Musik
Amigo hat ein sehr gutes Familienspiel ausgegraben und zu einem Kinderspiel umfunktioniert. Lesen Sie, warum die Erwartungen nur schwer erfüllt werden können.
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Das Herzstück für jeden Spieler ist seine Agentur: Hier legt er zuerst alle seine Musiker ab, die er verdeckt nachgezogen hat. Erst von hier aus können die Musikstücke mit den passenden Instrumenten besetzt werden. In der unteren Reihe sind die Musiker vor dem Zugriff der Mitspieler sicher, aus der oberen können die anderen Spieler Musiker entwenden und für eigene Zwecke einsetzen. Bilder: Amigo, Spielwiese |
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| Die zehn Musikstücke auf dem Spielplan, die es mit Musikern zu besetzen gilt und wofür es Punkte gibt, sind unterschiedlich "lang". Für den Anfang braucht es jeweils einen Dirigenten, an den die anderen Musiker gereiht werden müssen. Trotz bestimmter Farbgebung ist durch die Grafik bereitet die Zuordnung der Musikerkärtchen auf die richtigen Felder Schwierigkeiten. | |
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Als Bonus enthalt das Kinderspiel auch eine CD mit 60 Minuten Musik von Mozart – Hörproben und zum Teil in voller Länge jene Stücke, um die es im Spiel geht. |
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Die Kinder schlüpfen in die Rolle ihrer TV-Helden bzw. zweier Musikerkollgen und beginnen einen Wettstreit, wer für die zehn Musikstücke eines Konzertes die meisten Musiker stellen kann. Vom grundsätzlichen Ablauf her ist Little Amadeus Maestro das gleiche Spiel wie das 1989 erschienene Familienspiel Maestro. Wir empfehlen Ihnen auf jeden Fall auch den Spielwiese-Test dazu zu lesen.
Erwartungsgemäß wurde Little Amadeus Maestro ein wenig vereinfacht, doch streng genommen ginge es immer noch als Familienspiel durch. Denn manchen Siebenjährigen – das ist die Altersempfehlung des Verlags – wird ein bisschen zu viel abverlangt werden. Der taktische Aspekt der Spielidee hat sich nicht verändert.
Dazu braucht es ein gutes Auge für die Möglichkeiten, die sich für einen Zug bieten. Welche Musiker hat man auf der Seite, um mit deren Instrumenten ein Duo, ein Terzett etc. zu besetzen? Kann man fehlende Musiker eventuell anderen Spielern klauen, um damit mehr Punkte zu erzielen? Ist es für den Moment ratsam zu passen? Macht es Sinn am Ende eines Zuges ein, zwei oder drei Musikerkärtchen nachzuziehen? Das sind die Fragen, die sich bei Little Amadeus Maestro (oder eben auch bei Maestro stellen).
Musikerkärtchen ziehen und drauflos spielen, geht hier nicht. Es muss der "Umweg" über die Agentur eingehalten werden. Das hat beim Originalspiel haargenau gepasst, wirkt beim Kinderspiel und deren Rahmengeschichte allerdings deplatziert. Aber gut. Die Agentur bildet anders gesagt den Vorrat an Musikern, den jeder Spieler zur Verfügung hat. Dafür hat jeder ein kleines Tableau erhalten, auf das er die nachgezogenen Musikerkärtchen legt: In der unteren Reihe sind sie vor dem Zugriff der Mitspieler sicher, in der oberen nicht. Erst von hier aus werden die Musikstücke besetzt, wobei es für jedes gelegte Kärtchen Punkte gibt.
Dabei gilt: Ein neues Musikstück kann nicht ohne Dirigenten begonnen werden. Es muss immer zuerst ein Dirigent in einer Musikstück-Reihe liegen, der ein beliebiges Instrument ersetzt, danach können die übrigen geforderten Musiker mit den passenden Instrumenten links oder rechts angelegt werden. Jedenfalls darf keine Lücke entstehen. Zum Start bekommt jeder Spieler einen Dirigenten, die nächsten stecken in den Kärtchenstapeln. Es braucht demnach auch Glück.
Die Unterschiede
Abgesehen von der Rahmengeschichte – dort ein fiktives Konzert unterschiedlicher Komponisten, hier führen Amadeus, seine Schwester Nannerl, Joseph Haydn und Beethoven auf Auftrag der Kaiserin zehn Mozartstücke auf – gibt es ein paar Details, die anders sind als bei Maestro.
- Die Maestri heißen im Kinderspiel der Einfachheit halber Dirigenten
- der Kritiker ist hier Lorenzo Devilius, der Gegenspieler von Little Amadeus aus der TV-Serie
- die Musiker-Kärtchen haben unteschiedlich viele Noten aufgedruckt. Sie ersetzen die Zahlenfelder der Agenturen, die es bei Maestro gegeben hat. Man braucht sich also nicht zu entscheiden, auf welchen exakten Platz nachgezogene Musiker gelegt werden, sondern nur, ob in die untere oder obere Reihe. Das macht es für die Kinder einfacher. Wer am Ende Musiker in seiner Agentur übrig hat, zählt die Noten darauf zusammen und zieht die Summe von seinem Punktestand auf der Wertungsleiste ab.
- Die Punkteverteilung ist anders. Für jeden abgelegten Musiker oder Dirigenten erhält man bei Little Amadeus Maestro einen Punkt (bei Maestro waren es fünf), für Musikstücke, die man in einem Zug beginnt und vollendet, gibt es für jedes Kärtchen zwei Punkte (bei Maestro zehn)
- Wer Devilius besitzt und eine Reihe vollendet, bekommt fünf Punkte. Damit wurde im Kinderspiel etwas an Schärfe genommen, denn beim Kritiker in Maestro erhielt man jedes Mal zehn Punkte, wenn man ihn zu Beginn seines Zuges hatte.
Bei Little Amadeus Maestro gibt es eine Wertungsleiste rund um den Spielplan. Das ist heute Usus. Im Originalspiel wurde stattdessen Punktechips verteilt. Was gescheiter ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Wir hätten es besser gefunden, hätte man sich in diesem Punkt ans Original gehalten. Aus zwei Gründen: Kinder lieben es für Aktionen mit etwas belohnt zu werden, das sie in der Hand halten können; da ohnehin ständig ins Spielfeld gegriffen wird, steigt die Gefahr, dass die Wertungssteine verrutschen und es deshalb zu Diskussionen oder gar Streit kommt.
Beendet ist das Spiel übrigens, wenn das 14. Applauskärtchen gezogen wird. Das Spielende lässt sich also nicht planen. Ein weiterer Glücksfaktor.
Fazit
Ehrlich gesagt, wir konnten durch unsere Testrunden nicht den Reiz bestätigen, den Little Amadeus Maestro auf Kinder ausüben soll. Zum Einen lag's am Material, denn es man muss zweimal schauen, um die Musikerkärtchen den Instrumentenfeldern der Musikstücke richt zuzuordnen. Das nervt enorm. Zum Anderen waren Jüngere mit dem Spiel an sich klar überfordert. Auch ist die Spieldauer von einer Dreiviertelstunde für ein Kinderspiel zu lange.
Da versöhnt auch nicht, dass nebenbei eine mitgelieferte CD mit den Stücken Mozarts, die im Spiel vorkommen, zur Einstimmung läuft.
Vergessen Sie am besten die Charaktere, die fürs Spiel aus der Fernsehserie übernomen wurden, die etwas holprige Rahmengeschichte, und nehmen Sie Little Amadeus Maestro als das, was es ist: Ein Spiel für Familien mit älteren Kindern – wir würden hier neun, zehn Jahre als Untergrenze ansetzen. Denn dann funktionieren auch die taktischen Elemente einigermaßen, von denen Maestro, pardon: Little Amadeus Maestro lebt.
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Nr. 989: Little Amadeus Maestro |
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Spielwiese-Code | |
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2007: Amigo
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Themen: Musik, Klassik
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Spielanleitung zum Download |
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Rund ums Spiel
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