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Trivial Pursuit: Das ultimative Woher-soll-ich-das-wissen?-Spiel

 Parker/Scott Abbott, Willi Andersen und Chris Haney: Trivial Pursuit    

Hat neue Maßstäbe bei den Frage- und Antwortspielen gesetzt: Trivial Pursuit wurde weltweit bisher rund 80 Millionen Mal verkauft.

Man mag es oder man hasst es. Das Spiel Trivial Pursuit von drei Kanadiern hat Mitte der 80er-Jahre weltweit einen bis dahin unvorstellbaren Boom an Quiz-Spielen ausgelöst.

Bei dem für unsere Zungen ungewohnten Namen hätte die Erfolgsstory, die das Spiel auch hierzulande geschrieben hat, niemand für möglich gehalten. Doch statistisch gesehen hat jeder zehnte Haushalt mindestens eine Ausgabe des modernen Klassikers bei sich im Regal stehen (siehe Daten & Fakten). Trivial Pursuit ist innerhalb kurzer Zeit zum Inbegriff des Frage-Antwort-Spiels geworden. Als es 1984 auch im deutschsprachigen Raum vorgestellt wurde, traf es ähnlich punktgenau den Zeitgeist wie später die TV-Quiz-Mania.

Wissensfragen zu stellen oder zu beantworten kommt einem offenbaren Grundbedürfnis vieler Menschen entgegen. Machen Sie die Probe aufs Exempel: Wer in ihrem Familien- oder Bekanntenkreis immer wieder nach Trivial Pursuit ruft, will entweder sein relativ breites Allgemeinwissen beweisen oder ist zumindest davon überzeugt, es zu haben. Wer sich eher verweigert, hat oft nur Angst sich zu blamieren.

Mit dumm oder gescheit hat Trivial Pursuit freilich nichts zu tun. Schon der Name trägt das Wort Belanglosigkeit in sich. Das Spiel, respektive Sieg oder Nicht-Sieg dürfen nicht ernst genommen werden. Es ist vielmehr ein unterhaltsamer Wettstreit über die Ansammlung unnützen Wissens: Können Elche tauchen? (ja). In einer der sechs Fragekategorien, die jede Trivial Pursuit-Ausgabe kennzeichnen, findet fast jeder ein Gebiet, auf dem er halbwegs firm ist. Das ist einer der Erfolgsfaktoren des Spiels. In der ersten Ausgabe stand Blau für Erdkunde, Pink für Unterhaltung, Gelb für Geschichte, Braun für Kunst und Literatur, Grün für Wissenschaft und Technik, Orange für Sport und Vergnügen.

6000 Fragen waren insgesamt in der Spieleschachtel. Erfolgsfaktor Nummer 2 war die damals neue Art, wie man zum Sieg kommt und eng damit verknüpft das Wagenrad-förmige Spielfeld: Das Rad und die Speichen lassen fast immer ein Hintertürchen bei der Flucht vor einer Kategorie offen, die man überhaupt nicht mag. Man musste zuerst einmal in allen Bereichen eine Frage beantwortet haben, bevor es so zu sagen an den Gipfelsieg ging.

Wörtlich hieß es in der ersten Spielregel mit einem ironischem Unterton, dass „der Alleswisser möglichst schnell in das Zentrum des Rades zurückkehren (muss), um dort die letzter Frage zu seinem Sieg zu beantworten. Gemeinerweise bestimmen jedoch seine Mitspieler den Fragebereich noch bevor die Karte aus der Box gezogen wird“.

Die Box oder besser: die zwei Boxen!  Jede von ihnen ein Dreiviertel Kilo schwer. Das hatte  man was in der Hand und machte das Spiel buchstäblich gewichtig. Oder die pathetisch Wissensspeicher genannten Behältnisse, in die man die Wissensecken steckte – erstklassig! Für viele sind es einfach die Tortenecken oder Tortenstückchen.

Man hatte mit Trivial Pursuit, so die Suggestion, nicht ein x-beliebiges Produkt gekauft, sondern etwas Edles. Das durfte man auch erwarten, denn man blätterte im Vergleich zu normalen Spielen unverhältnismäßig viel Geld hin.

Nicht nur in punkto Spielmaterial war Trivial Pursuit ab 1984 der neue Maßstab der Quizspiele. Auch was das Marketing anging. Fernsehwerbung für ein Erwachsenenspiel und Probepackungen kamen mit Trivial Pursuit erst so richtig auf. Für unzählige Plagiate hatten Verlage und Autoren nun einen neuen Ansporn. Jeder wollte vom Erfolgkuchen naschen. Und in der Tat, es gibt im Sinne von ausgewogener Chancenverteilung bessere Quizspiele als Trivial Pursuit.

Es ist jedoch das Phänomen der „Erstgeburt“ (auch wenn seit Jahrhunderten solche Frage- und Antwortspiele gespielt werden), dass ihr beim breiten Publikum kein anderer das Wasser reichen kann. Dieses Spiel wird auch die TV-Ableger Die Millionenshow/Wer wird Millionär? und die nächste Quizspiel-Welle überleben.                              

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Daten & Fakten
 Der Name des weltweit populärsten Frage-Antwort-Spiels bedeutet so viel wie etwa belanglose Verfolgung. 2005 feierte Parker 20 Jahre Trivial Pursuit im deutschsprachigen Raum.

Die Geburtstunde des Spiels schlug am 15. Dezember 1979: Die Kanadier Scott Abbott, Willi Andersen und Chris Haney legten in bierseliger Laune binnen 45 Minuten Regeln, Kategorien und Layout fest. Im Februar 1982 stellten sie es auf der Toy Fair in New York vor, ernteten aber geringes Echo. Durch Zufall wurde ein Bankdirektor auf die drei und ihr Spiel aufmerksam und gab ihnen einen Kredit, damit sie 20.000 Stück produzieren konnten. Kurze Zeit später schlug das Spiel dann wie eine Bombe in den USA ein, allein 1984 wurden 20 Millionen Stück verkauft. Aktuell steht man bei rund 80 Millionen.

Der Spielwarenkonzern Hasbro sicherte sich für seine Marke Parker dann 1992 die Rechte. Heute wird Trivial Pursuit in 33 Ländern und in 19 verschiedenen Sprachen gespielt. Weltweit denken sich inzwischen 20 feste Autoren ständig neue Fragen aus.

Allein im deutschsprachigen Raum erschienen in den letzten zwei Jahrzehnten über 20 Variationen zu Themen wie Sport, TV, Disney bis Star Wars. Zum Jubliläum war das neueste Produkt eine 20 Jahre-Sonderedition (Bild) mit Fragen zu Ereignissen seit 1984.           

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