Wenn Hollywood-Kapazunder einen gemeinsamen Film machen, heißt das fürs Publikum oft nichts Gutes. In der Spieleszene ist das anders. Ich hatte bereits Gelegenheit, die Mixtur aus Carcassonne und Das verrückte Labyrinth zu spielen.
14. JULI 2026
spielwiese.at-Leser wissen es seit vergangenem Herbst. Zwei der erfolgreichsten Spieleserien – als solche muss man sie angesichts gefühlter 60, 70 Versionen, Erweiterungen und Adaptierungen bezeichnen – fusionieren für ein gemeinsames Spiel. Es heißt Carcassonne Labyrinth und kommt am 1. September in den Handel.
Das Beste aus zwei Welten?
.
|
Nein. Aber eine gelungene Verquickung der Grundprinzipien der beiden Spiele. Hier Plättchen legen und Optimierung von unterschiedlichen Landschaften mit und ohne Verbauung, dort Plättchen schieben um zu gesuchten Symbolen = Schätzen zu gelangen. Egal, von welchem der beiden Spiele jemand Fan ist, er wird sich hier wiederfinden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch die zwei Autoren Klaus-Jürgen Wrede und Max J. Kobbert aktiv an der Entwicklung beteiligt waren und sich gut verstanden. Keine Selbstverständlichkeit. Erweiterungen oder Spin-offs stammen sehr oft nicht vom Autor des Originals, sondern von Dritten.
Und dann sind hier noch – erst recht ungewöhnlich – zwei ganz unterschiedliche Verlage involviert. Samt den jeweiligen Redaktionen, Vertriebsleuten (auf der Carcassonne-Seite ist es mit Asmodee wieder jemand ganz anderes), Marketingmenschen etc. Viel Abstimmungsbedarf, da muss auch die Chemie einigermaßen passen.
Kurzum: ein spannendes Unterfangen. Aber ist das Spiel denn auch spannend? Hat es das gewisse Etwas?
![]() |
|
|
Grober Ablauf von Carcassonne Labyrinth: In der Tischmitte ist ein zentrales 5x5 großes Schiebeboard à la Verrücktes Labyrinth. Dort suchen die Spieler ihren gerade aktuellen Schatz (auf dem Steher vorne), ziehen ein verdecktes Plättchen und schieben es hinein, nehmen das herausgeschobene Plättchen und bauen ihre Landschaft (vorne) damit aus. Wird ein Schatz auf dem gemeinsamen Schiebeboard erreicht, erhält man dafür den entsprechenden Schatzchip.
Bild: spielwiese.at
|
Für eine seriöse Spielekritik ist es noch zu früh, aber ich finde ja. Denn: Vertraute Grundmechanismen, siehe oben, auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite zwei positive Überraschungen. In der Mitte ein gemeinsames Schiebetableau, wo jeder in jeder Runde ran muss, um seine acht Schätze der Reihe nach zu erreichen. Aber dann legt jeder vor sich seine eigene Carcassonne-Landschaft. Dabei kommt man relativ schnell drauf, dass es überhaupt nicht egal ist, wo man was aus der gemeinsamen Labyrinth-Tafel schiebt. Und zum Drüberstreuen ein gänzlich unerwarteter Wertungsmodus.
Alle Spieler legen am Spielende ihre (Carcassonne-)Plättchen aufeinander, dazu die um die Hälfte dünneren (Labyrinth-)Schätze-Chips und eventuell noch die Plättchen-Ablagefigur in Form einer Krone. Keine Siegpunkte, kein ausschließliches „Set Collection“: Wer den höchsten Stapel bilden kann, hat Carcassonne Labyrinth gewonnen. Alles sehr familientauglich, eingängig, durchaus spannend und schlüssig.
In Hollywood hätten zwei Stars ihren Streifen heruntergenudelt und sich das Ganze mit ein paar Millionen Dollar schön geredet. Bei Carcassonne Labyrinth hingegen spürt man, dass beide Seiten mit ihren Stärken um ein mehr als herzeigbares Ergebnis gerungen haben.
Was denkst du darüber?


