17. OKTOBER 2014
Die quälende Frage I
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Spielemesse in Essen, eine erste Zwischenbilanz.
Noch vor wenigen Jahren drohten mir Verlage offen mit einer Anzeige wegen Geschäftsschädigung. Ich hatte mir erdreistet mitzuteilen welche Spiele in ein paar Monaten aus dem Katalog fliegen. Solche versuchte Kriegserklärungen fruchteten nicht nur nichts, sie haben sich mittlerweile überholt. Die Verlage werfen jedes Jahr noch mehr neue Spiele auf den Markt und haben damit andere Sorgen, als sich um jene Spiele zu kümmern, die unter den Tisch fallen. Die Halbwertszeit von Neuerscheinungen tendiert inzwischen gegen ein Jahr.
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«Auf der Höhe der Zeit sind die Verlage nicht. Denn Sushi war gestern. |
Ist das womöglich der Grund, warum die Besucher der Spielemesse in Essen kaufen, kaufen, kaufen, als gäbe es kein Morgen? Die Zahl der Neuerscheinungen ist auf der „Spiel ’14“ mit über 800 so hoch wie nie und die Einkaufssäcke und -wägelchen (von Taschen kann kaum mehr die Rede sein) vollbepackter denn je. Vieles, was 2013 noch gehypt wurde, wird 2014 zum Einstandspreis verschleudert.
Die quälende Frage, was es Neues und Gutes gibt, bleibt trotzdem. Sie kann zum jetzigen Zeitpunkt seriöserweise noch von niemandem beantwortet werden. Dazu ist das Angebot zu ausufernd geworden. Die allerwenigsten haben wirklich Zeit und Sitzfleisch vier Tage am Stück alles, was sie anspricht, auszuprobieren.
Was kann also nach zwei Tagen Messe über die Herbstneuheiten gesagt werden? Thematisch: Das Mittelalter mit all seinen Lebensumständen ist noch immer nicht durchgenudelt, mit Spielen, in denen Zombies vorkommen, scheint man auf der sicheren Seite. Auffallend viele neue Spiele fordern – durchaus auch abstrakt – zum Städtebau auf. Asien blickt an vielen Ecken und Enden hervor: es wird weiterhin auf Ränkespiele im historischen China und Japan gesetzt und Sushi taucht gleich bei mehreren Verlagen auf. Auf der Höhe der Zeit sind die Spieleverlage nicht, sonst müssten mindestens ebenso viele Spiele den Veganismus proklamieren. Sushi war gestern.
Was Innovationen bei Spielmechanismen angeht – davon in Kürze mehr in einem zweiten Teil.
Was denkst du darüber?

