Spielwaren werden immer häufiger übers Internet gekauft. Eigentlich ein Paradoxon: Der Spielwarenhandel ist jene Branche, die bei Anschluss ans World Wide Web und eigenen Webseiten dem Durchschnitt extrem hinterher hinkt. spielwiese.at hat die jüngsten Zahlen.
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| Verteilung der Verkäufe 1. Halbjahr 2009.
Bild: ECC |
Werfen wir einen kontrollierenden Blick auf den führenden Onlineshop: Keltis, das Spiel des Jahres 2008, ist bei Amazon beispielsweise auf Rang 52 der Verkaufsliste aller Spielwaren. Das aktuelle Spiel des Jahres Dominion rangiert auf Platz 1. Nur vier der ersten zehn Verkaufsränge bei Amazon sind keine Spiele.
Mehr Information als Verkauf
Doch nicht nur der Kauf wird zunehmend online getätigt, stellt das E-Commerce Center Handel (ECC) in Köln in einer aktuellen Studie fest. Auch im Prozess der Kaufanbahnung holen Kunden gerne Informationen im Internet über die Produkte ein, schauen nach Zubehör oder vergleichen die Preise. Auf die Frage "Haben Sie Sich schon einmal über Spielzeug online informiert" antworten 13 Prozent der Befragten mit "Ja". (Quelle: statista.org)Zu den führenden Anbietern von Spielzeug im Versandhandel gehören Quelle (die Zukunft ist völlig ungewiss nach der heute bekannt gegebenen Insolvenz) sowie Otto Versand mit jeweils ca. 40 Prozent Marktanteil, auch wenn über den Versandhandel nur ca. siebe der Spielwaren vertrieben werden. Als große Online-Händler sind Amazon, eBay und mytoys.de zu nennen, an dem der Otto Versand zu knapp drei Vierteln beteiligt ist. 1999 als ein Online-Shop gegründet, verfolgt mytoys.de seit 2006 eine Multi-Channel-Politik durch die Eröffnung von mittlerweile sieben Filialen in deutschen Innenstädten. Nach eigenen Angaben bietet das Unternehmen über 70.000 Produkte an, von klassischen Spielwaren über Babybedarf und Kinderkleidung hin zu Büchern, Schulbedarf und Sportartikeln. Zum Vergleich: eine Spielzeugsuche bei eBay ergibt ca. 450.000 Treffer (Abfrage im Februar 2009), von denen zwei Drittel von gewerblichen Anbietern verkauft werden. Beliebte Kategorien sind hierbei Brett- und Gesellschaftsspiele (ca. 68.000), LEGO (ca. 63.000) und Puppen (ca. 51.000).
Bedenken eher strukturbedingt
In der vom ECC Handel durchgeführten Studie "Internet im Handel 2008" sehen Spielwarenhändler eher geringfügige Probleme beim Handel mit Kunden über das Internet. So geben sie hauptsächlich einen hohen Zeitbedarf für die Planung und Umsetzung eines online verfügbaren Angebotes an sowie die Angst vor einem Preisverfall, der aus einer Preistransparenz und besseren Vergleichbarkeit der Produkte resultieren kann. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es für die Händler schwieriger, eine enge und langfristige Kundenbindung aufzubauen. Diesem Problem können Händler jedoch entgegensteuern, indem sie einen Mehrwert zu ihrem Online-Angebot schaffen, wie z. B. einen besseren Kundenservice oder sich durch ein spezialisiertes Angebot differenzieren.Chancen in Nischen
Obwohl der Internethandel mit Spielwaren noch einen recht geringen Anteil am zugehörigen Gesamtumsatz ausmacht, ist es einer der am stärksten wachsenden Märkte im Distanzhandel. Neben den großen Anbietern aus dem Versandhandelssegment, wie Amazon, eBay und mytoys.de, findet sich eine Vielzahl an mittleren und kleineren Online-Spielwarenhändlern, die sich insbesondere durch differenzierte Produkte und ein spezifisches Sortiment hervorheben. So lässt sich festhalten, dass durchaus noch Potenzial für neue Mitspieler, die die Ergänzung ihres klassichen Offline-Geschäfts wagen, auf dem Online-Spielwarenmarkt vorhanden ist. Dieses gilt es durch die Besetzung von Marktnischen, wie z. B. Naturspielzeug, und die Generierung von Mehrwerten, wie sehr guten Service oder schnelle Lieferzeiten, zu nutzen.Extreme Unterversorgung
Aus dem klassischen Spielwarenhandel heraus sind solche Innovationen allerdings kaum zu erwarten. Es ist eine altmodische Branche: sie verfügt über eine schlechtere Internetinfrastruktur als die meisten anderen Einzelhandelsbranchen. So besitzen 22,2 Prozent der Unternehmen der Spielwaren- und Geschenkhändler keinen Internetanschluss und nur 48,1 Prozent verfügen über eine eigene Website. Dieser Wert liegt mit einer Differenz von über 26 Prozentpunkten deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt im Einzelhandel (74,8 Prozent).Neben Händlern präsentieren auch immer mehr Hersteller Online-Shops auf ihren Internetseiten. So bietet Lego, Playmobil und auch Ravensburger den Besuchern der Websites die Möglichkeit Artikel sofort online zu kaufen.
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