Essen. Spielemesse. Tag 1. Was einem so ein- und auffällt.
13. OKTOBER 2016
Eigentlich werden Messen von Neuheiten beherrscht. Davon gibt es auf der "Spiel '16" nun mehr als genug (siehe auch Blog "Nahenderfahrung"). Und in den vergangenen Jahren war es so, dass unter Neuheiten auch jede Menge bekannte Spiele feilgeboten wurden, nur meist mit neuem Namen. Davon ist dieses Jahr – bis jetzt – wenig zu sehen.
Zwei Spiele allerdings feiern ein überraschendes Comeback. Da ist einmal das im Original aus England stammende Wörterspiel Bananagrams, hierzulande vormals 2009 bei Kosmos. Im Spielwiese-Test hat es übrigens gut abgeschnitten. Der Neustart des Wiedergängers erfolgt bei Game Factory. Bei den Schweizer Spaßspiel-Experten passt das es schon von der Optik und bananenförmiger Stoffetui-Verpackung irgendwie auch besser ins Programm.
| Ähnlichkeiten mit Personen oder Institutionen können zufällig oder nur scheinbar sein … |
Ebenfalls mit unverändertem Namen wieder auf den Markt kommt Pecunia non olet. Der eine oder andere Spieler wird sich erinnern: Vor beinahe zehn Jahren, damals noch unter der Marke Goldsieber, kam hier der Stoffwechsel zu spielerischen Ehren. Konkret ging es um Latrinen, und wie schon die Römer sagten: Geld stinkt nicht! Noris legt das Spiel aber nicht nur neu auf, weil immer wieder danach gefragt worden sei, sondern versieht es gleich mit fünf Erweiterungen. Und um beim Thema zu bleiben, gibt's auch ein "Spaßiges Partyspiel" namens Scheiß drauf! im selben Verlag. Eigentlich ein Kartenspiel, aber die führende Rolle haben kleine braune Haufen, die man sich auf den Kopf schnallen muss, wenn man die Karten-Reihenfolge Geschäft verrichten, Abwischen, Spülen und Händewaschen nicht einhält.
Ein Furzkissen ist auch noch im Spiel. Scheint dieses Jahr Mode zu sein. Denn das gibt es auch bei Mattel. Auch Mister Pups ist dem Grunde nach ein Kartenspiel.
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Scheiße!, denken sich mit Sicherheit auch viele Hamburger Steuerzahler. Bekanntlich ist das mit dem Bau der Elbphilharmonie finanziell ziemlich dumm gelaufen. J. Peter Lemcke, wohnhaft in der Hansestadt und bekannt als Gründer und ehemaliger Leiter des Deutschen Spielemuseums in Chemnitz, hat zur Frustverarbeitung ein Spiel ersonnen. Unter dem vielen Material stechen zwei Dinge hervor: 200 Bausteine (von Lego-Konkurrenz Best Lock), damit die 3 oder 4 Spieler ihre eigene Elbphilharmonie bauen können, sowie die Rückseite der Ereigniskarten, die einem Euro-Geldschein ähneln und als Nennwert vielsagend keine konkrete Summe, sondern "100-800 Millionen" aufgedruckt haben.
Ironie? Satire? Ein Schuss Realität, antwortet Lemcke, denn das erhöht den Spielreiz. Freilich können "Ähnlichkeiten mit Personen und Institutionen (…) unbeabsichtigt, zufällig oder nur scheinbar sein". Genannt hat er sein zeitgeschichtliches Werk Elphi – Elbvielunddisharmonie.
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Freaks sind Leute, die ihr Hobby über das "normale" Maß hinaus betreiben. Und natürlich, es sind Freaks, die durch die Fenster zu beobachten sind, wie sie in den Lobbys der verschiedenen Hotels in Essen am späten Abend selbst den allerletzten Tisch belegen. Am Tag auf der Messe gekauft und am Abend sofort ausprobiert.
Menschen, die mit Spielen nichts am Hut haben, werden sich vermutlich wundern über diese unübersehbare Anhäufung spielender Menschen in einem durchwegs schon reiferen Alter. Ein sprachliches Babylon und in ihrer innerlich versunkenen Geschäftigkeit ein absoluter Kontrapunkt (es ist gegen elf) zur schon völlig ausgestorbenen Innenstadt von Essen. Ein schönes, weil auch zutiefst friedliches Bild.
Was denkst du darüber?


… gemeinsam Spaß haben.