Essen. Spielemesse. Tag 2. Was einem so ein- und auffällt.
14. OKTOBER 2016
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Gestern war an dieser Stelle schon die Rede von Wiedergängern. Wenden wir uns in diesem Zusammenhang dem Verlag Jumbo zu. Der hatte für den Herbst, also für Essen, angekündigt, den Klassiker Jumbo Jet ebenso neu aufzulegen wie das reizvolle Das Geheimnis der Pyramide. Auch andere ehemalige Jumbo-Spiele seien angeblich für eine Neuauflage in der Pipeline.
Nun, damit wird nix. Schade. Vorerst. Wahrscheinlich ist nächstes Jahr.
Dafür frönt man bei den Deutschland-Holländern mit dem roten Elefanten einem anderen Trend: Eine bewährte Spielidee mit einer Variante zu bereichern. Der Jumbo-Klassiker Stratego (ohnehin schon in mehreren Varianten vorhanden) wird bei Stratego Pirates vom ebenerdigen Schlachtfeld auf zwei 3D-Segelschiffe transformiert. Wenig originell, aber effektvoll.
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Die Spiele sind richtig teuer geworden. Noch sind die erstaunten oder auch verärgerten Zwischenrufe auf der Messe noch die Ausnahme. Aber die Zahl der preiskritischen Besucher wächst. Vor allem unter jenen, die auf Neuheiten aus sind und weniger auf die vielen zweifellos vorhandenen Schnäppchen = Spiele aus dem Vorjahr oder dem davor, die schon traditionell in Essen verramscht werden.
Wenn etwa die neueste Ausgabe des Spiel des Jahres von 2004 Zug um Zug auf den Globus umgelegt wird, mit dem Zusatz Weltreise daherkommt, und der Verlag Days of Wonder dafür 80 Euro angibt (auf der Spielemesse heute immerhin schon auf gesenkte 69 Euro entdeckt), dann beginnt man sich schon bestimmte Fragen zu stellen.
Dazu die Zusammenfassung eines höchst interessanten Gesprächs auf der Messe mit der für den Verkauf verantwortlichen Person eines größeren Verlages. Bei Kinderspielen ächzt der Kunde bei 24,99 Euro, bei Familienspielen werde es bei 34,99 Euro echt schwierig. Hingegen spiele der Preis bei den sogenannten Kennerspielen oder Expertenspielen praktisch keine Rolle. Days of Wonder reizt das mit dem Weltreise-Ausgabe wohl aus. Wobei … ist Zug um Zug eigentlich nicht ein Familienspiel?
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Für alle Deutschen, die der Ansicht sind, dass in ihrem Land mittlerweile gar nichts mehr klappt, war dieser zweite Messetag Wasser auf die Mühlen. Wer mit dem Auto kam, musste wie schon am Vortag kurven und stehen, um irgendwann auf einem Parkplatz sein Fahrzeug abstellen zu können. Gut, könnte man sagen, selber schuld. Nimm doch die Öffis. Weit gefehlt. Der Ansturm auf die Spielemesse war so groß, dass auch die Essener Verkehrsbetriebe zweitweise k.o. gingen. Weil der Bahnsteig mit wartenden U-Bahn-Fahrern schon so gefüllt war und die Sicherheit nicht mehr gewährt werden konnte, wurde am Hauptbahnhof der Zugang zwischenzeitlich abgesperrt (siehe Bild). Bis die Leute in den nächstbesten U-Bahn-Zug verfrachtet waren.
| Das Management muss sich was überlegen. |
Weil aber auch der Fahrplan völlig durcheinander geriet und die Fahrtwilligen bis zu vier Mal länger auf die nächste Bahn warten mussten, kamen Taxifahrer ins Geschäft – freilich mit Umwegen, weil … siehe oben.
So oder so: Das zuständige Management muss sich zur Besucherbewältigung der Veranstaltung was übelegen. Sowohl bei den Verkehrsbetrieben als auch bei der Messe selbst. Denn immer mehr Besucher klagen über chaotische Zustände. Dass sie zum Beispiel bei Nebeneingängen nicht eingelassen und zu den Hauptportalen weitergelotst werden, um dort die Menschenmassen nur noch zu vergrößern.
Was denkst du darüber?



