Spielekenner wissen: Nicht nur die Ideen und Regeln eines Gesellschaftsspiels sind wichtig, sondern vor allem auch dessen grafische Umsetzung. Der Spielepreis "Graf Ludo" zeichnet die beste Spielegrafik und deren illustratorische Umsetzung aus. Dafür braucht es eine kompetente Jury, die die Auswahl der Spiele vornimmt und letztlich die Gewinner in den beiden Kategorien "Beste Kinderspielgrafik" und "Beste Familienspielgrafik" bestimmt. Lesen Sie mehr.
Thomas Bärsch
Thomas Bärsch, Jahrgang 1967, lebt in Dresden und arbeitet für das ZDF. Seine Leidenschaft für Spiele versuchte er in den neunziger Jahren mittels einer eigenen Spieleidee selbst auszuleben. Mit dieser erlebte er zwar unzählige erfolgreiche Probespielabende, aber sie brachte es letztlich nicht über den Status von zwanzig verkauften Exemplaren aus Copy-Shop-Eigenproduktionen hinaus. "Abzutauchen in kleine Fantasiewelten, meine Mitspieler in dieser neuen Rolle zu beobachten, sie dabei vielleicht auch noch besser kennenzulernen" – das macht für ihn den Reiz des Spielens aus.Sein Hauptaugenmerk bei der Bewertung legt er besonders auf die Story hinter der Spielidee und deren grafische Umsetzung. Denn er freut sich, dass "endlich neben den bekannten Autoren auch die Menschen einen Namen und ein Gesicht bekommen, die für das so wichtige Erscheinungsbild eines Spiels verantwortlich sind."
Frank Gartner
Frank Gartner, Jahrgang 1968, wohnt im Rhein-Pfalz-Kreis, in der Nähe von Speyer. Bei einem Hersteller für Schienenfahrzeuge ist er als Direktor für das Projekt Management und den Customer Support am Standort Mannheim verantwortlich. Seine Freizeit widmet er dem Spielen und Reisen. 2001 gründete er das Online-Spielemagazin H@LL9000 (www.hall9000.de) und einen regelmäßig stattfindenden Spieletreff. Seitdem ist er Herausgeber, Redaktionsleiter, Rezensent und "Mädchen für alles". Ihn faszinieren vor allem die vielen Facetten des Spiels: Eintauchen in eine andere Welt, Mechanismen erkennen und für sich optimieren. "Das macht irrsinnig Spaß und ich kann prima abschalten. Vor allem geschieht es gemeinsam mit anderen Menschen, denen man (im Gegensatz zu Computerspielen) in die Augen schauen kann, mit ihnen zittert, lacht, diskutiert, einfach eine schöne Zeit verlebt."Als Kenner der Spielelandschaft bringt er den nötigen Marktüberblick in die Juryarbeit ein. "Ein guter Spielmechanismus mit einer ansprechenden und funktionellen Grafik entscheiden letztendlich über den Spielspaß." Aus diesem Grund freue er sich, dass der "Graf Ludo" ins Leben gerufen wurde. "Damit die Menschen, die im Hintergrund das erschaffen, was bei einem Spiel eigentlich sehr im Vordergrund steht, die berechtigte Würdigung erhalten."
Arno Miller
Arno Miller, Jahrgang 1959, ist hauptberuflicher Journalist in Bregenz/Österreich. 1988 verband er Beruf und Leidenschaft mit der Gründung der Fachzeitschrift "Die Spielwiese", die 2005 in das Internetportal spielwiese.at überging. Den Vorteil eines Brettspiels gegenüber Computerspielen sieht er vor allem in der Interaktion: "Die Mitspieler sind Teil des Ereignisses, indem sie ihre persönlichen Charaktere, Stimmungen und Fähigkeiten in der Runde offenbaren. Man sieht es, hört es, kann es buchstäblich spüren, man reagiert und lenkt – ganz individuell, ganz interaktiv."Als einer der Letzten, der den Beruf des Schriftsetzers erlernt hat, bringt er auch Wissen und Erfahrung im Bereich der Typografie in seine Jurorentätigkeit ein. "Spieleverlage setzen viel Hirnschmalz und Geld dafür ein, als unwiderstehliches Nimm mich!' im kunterbunten Verkaufsregal hervorzustechen. Neben Thematik und Preis kommt die größte Bedeutung dabei der Gestaltung der Verpackung zu. Die Spielekritik hat sich um diese äußeren Werte' bislang wenig bis gar nicht gekümmert. Als Hilfestellung für Spieler und Käufer war die neue Auszeichnung überfällig."
Annette Schmeier
Annette Schmeier ist seit 1997 Projektdirektorin der modell-hobby-spiel. Startete die Messe vor 14 Jahren mit 150 Aussteller, so kommen heute über 600 zur Messe. Großes und beim Publikum sehr beliebtes Messethema ist nach wie vor der Bereich Spiel. "Ich spiele sehr gern Klassiker wie Rommé", sagt Schmeier. Ob im Kreise der Familie oder mit Freunden zu entspannen, Spaß zu haben, zu lachen und dabei abzuschalten oder aber sich stark auf eine Sache zu konzentrieren – das findet sie beim Spielen wohltuend angenehm. Die Grafik spielt dabei eine entscheidende Rolle: "Sie soll den Spielinhalt vermitteln und ist neben dem Spielgeschehen zweitwichtigster Baustein." Eine Spielidee könne noch so toll sein – wenn die Grafik nicht stimmt, würde sie sich nicht durchsetzen können. "Da bisherige Auszeichnungen ausschließlich die Spielerfinder ehren, finde ich es an der Zeit, dass jetzt auch die Grafiker gewürdigt werden!"
Katja Schwalenberg
Katja Schwalenberg, Jahrgang 1976, lebt und arbeitet als freie Illustratorin und Grafikerin in Leipzig und Berlin. Sie studierte Typografie sowie Illustration und ist seit 2004 Dozentin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig. Mit ihrer Meisterschülerarbeit "frau wow" erhielt sie 2004 und 2005 mehrere internationale Preise. Unter anderem den Juniorpreis des renommierten red dot design awards. Als Künstlerin bringt sie das Quäntchen Abwechslung in die Jury ein und sorgt für einen anregenden Perspektivwechsel.
Kati Gräfin von Schwerin
Kati von Schwerin, Jahrgang 1983, ist Künstlerin und lebt in Düsseldorf. Nach einem Studium der freien Künste in Essen wechselte sie 2004 an die Kunstakademie Düsseldorf und bald in die Klasse von Prof. Lüpertz. Künstlerisch befasst sie sich meist mit Objekten der heutigen und vergangenen Zeit, die zum metaphorischen Sprachrohr werden. Die Aussage muss stimmen, am liebsten mit Ironie und realistisch/pop-artiger Umsetzung. Werke ohne Titel wird es nicht geben, dafür gibt es zu viel zu sagen! In ihrer Jurorentätigkeit verbindet sie ein geschultes Auge mit spielerischem Herzblut und verleiht dem Graf Ludo eine adelige Note. "Die Grafik kommt einfach viel zu kurz. Sie wird von vielen als selbstverständlich hingenommen. Und als Künstlerin war es interessant, einmal auf die andere Seite zu schauen." Der Graf Ludo ist für die Spielenation besonders wichtig, weil damit "die Ideen, das Herzblut und die Leistungen der Grafiker" gewürdigt werden.
Maik Wankmüller
Maik Wankmüller, Jahrgang 1983, ist seit 2006 Art Director der überregionalen Jugendzeitschrift SPIESSER. Seit bereits zehn Jahren arbeitet Maik Wankmüller als Grafiker und Layouter für verschiedene Jugendmedien und versteht es, das jugendliche Auge anzusprechen. Neben seiner Arbeit entspannt und fordert er sich mit strategischen Brettspielen. "Schöne, logisch durchdachte Spiele machen mehr Spaß", findet er. Die Optik müsse dies transportieren. Bisher gäbe es viel zu viel "Einheitsbrei" und nur wenige Innovationen auf dem Markt. "Der Graf Ludo soll einen Anreiz geben, sich intensiver um die Optik von Spielen zu kümmern, schließlich ist sie kaufentscheidend!" In der Jury ließt er sein Auge stellvertretend für ein jugendlich-dynamisches Publikum über das Spielesortiment streifen.
Willi Weber
Willi Weber, Jahrgang 1960, ist verheiratet und hat mit seiner Frau und zwei erwachsenen Töchtern immer kritische und begeisterte Mitspieler im Haus. Seit 1995 engagiert er sich in seiner Freizeit bei FamilyGames, dem Spielebereich des Felsenweg-Institutes. Dort führt er mit Erfolg Spielenachmittage, -abende und -wochenenden durch. Spielen ist für ihn eine Möglichkeit, in andere Rollen zu schlüpfen, Leute kennen zu lernen, sich zu ärgern oder freuen. Der gemeinsame Wettbewerb und vor allem der Spaß, den man dabei haben kann, sind für ihn enorm wichtig.Sein besonderes Augenmerk lag auf der Akzeptanz und Bewertung der Spiele beim breiten Publikum, denn "die Optik ist ein großer Teil des Spielvergnügens." Schon viele tolle Spiele hätten sich wegen schlechter oder fehlender Grafik nicht durchsetzen können. Es sei zudem an der Zeit, dass die künstlerische und gestalterische Arbeit der Grafiker gewürdigt werde. "Außerdem kann mit diesem Preis ein Bewusstsein für besonders schöne Spiele geweckt werden."
Das Auswahlverfahren
Berücksichtigt wurden alle Familien- und Erwachsenenspiele aus der Produktion des laufenden und vergangenen Kalenderjahres, die im Handel erhältlich sind. Jedes Jurymitglied schlug bis Ende April Kandidaten für die Auswahlliste vor. Anschließend wurden diese Vorschläge diskutiert und Begründungen für eine Nominierung zusammengetragen. Aus diesen sind die jeweils zehn Spiele bis Ende Mai bestimmt und veröffentlich worden. Anschließend nahm die Kinder- und Familienjury die Spielegrafiken kritisch unter die Lupe. Unterstützt durch einen Bewertungsbogen benoten und wichten sie die Spiele der Auswahllisten und übersandten diese Bögen an die Jury.Im nächsten Schritt mussten die jeweils besten drei Spiele aus den zehn ausgewählt werden. Dafür reflektierte die Jury noch einmal die Kriterien für eine gute Spielegrafik, wie beispielsweise Fern-erkennbarkeit, intuitive Bedeutungszuschreibung, das Wecken von Neugierde, Detailgenauigkeit, Innovativität, Farbwahl und Alterseignung.
Am Vorabend der Messe entschied die Jury, welche Spiele letztendlich den Preis für die schönste Spielegrafik erhalten. Im Rahmen der Verleihung am 2. Oktober wurden noch einmal die jeweils drei nominierten Grafiken und ihre Schöpfer der Presse und den geladen Gästen vorgestellt, bevor schließlich die beiden Gewinner bekannt gegeben wurden. Im Anschluss gab es eine Signierstunde mit den Künstlern am Stand des "Graf Ludo" in der Messehalle 2.
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