Erbauer der Welt
Verschiedene Spieleexperten hatten Mondo auf der Nominierungsliste zum Spiel des Jahres gesehen. Die Spielwiese schreibt, warum es trotz guter Anlagen nicht für einen Spitzenplatz reichen konnte.
Das Problem von Mondo ist etwas paradox. Es "kann" zu viel. Diese Erkenntnis bleibt dem durchschnittlichen Spieler allerdings verschlossen, weil er zu früh die Segel streicht.
Das mag man grundsätzlich bedauern, es ist jedoch Fakt: Erfahrungsgemäß wagt sich nämlich nur ein Bruchteil der Spieler über die Grundregel hinaus. Erst recht, wenn das Grundspiel die Erwartungen nicht erfüllt. Genau hier läuft Mondo Gefahr. „Langweilig!“ lautete das vernichtende Urteil zahlreicher Testspieler nach der ersten Partie.
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Bei Mondo ist es Bedingung, dass Landschaften rundum abgeschlossen sind. Stoßen an den Kanten zwei unterschiedliche Landschaften zusammen – hier rot markiert –, gelten sie als nicht fertig. Die hellgrüne Steppe in diesem Beispiel weist drei Anschlussfehler auf. Der Wald könnte zwar noch ausgebaut werden, würde aber ebenfalls nicht als abgeschlossen gewertet. Anders gesagt: Landschaftsgrenzen befinden sich immer innerhalb eines Landschaftsplättchens. |
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Grundregeln sind wichtig, aber …
Um den Einstieg möglichst vielen normalen Gelegenheitsspielern möglichst einfach zu machen, haben Autor und Verlag vielleicht übers Ziel geschossen. Beim Einsteigerspiel bleibt die versprochene Spannung leider aus. Natürlich sind die darin formulierten Grundregeln als Basis wichtig, aber wenn das Spiel die zweite Chance nicht erhält, nützt es gar nichts (und Bezeichnungen wie Fortgeschrittenenspiel oder gar Expertenspiel sind grundsätzlich eine sehr zweischneidige Sache).
Die Spielwiese steht trotzdem zu Mondo. Auch die Jury Spiel des Jahres fand es auf jeden Fall als würdig für ihre Empfehlungsliste 2011.
Konsequent widmen wir uns zuerst einmal der Einsteigervariante und bauen auf die Geduld der Leser, das folgende Bessere zu erwarten.
Ein Haufen Material
Mondo, das sind je ein Spielplan für jeden und 136 quadratische Landschaftsplättchen für alle. Sie sind beidseitig bedruckt, zeigen Wasser, Wald, Wüste, Steppe und Kombinationen davon. Auf einigen sind Tiere, auf anderen aktive und inaktive Vulkane und auch daraus wiederum Kombinationen. Ein buchstäblich bunter Haufen: die Landschaftsplättchen kommen wild gemischt in die Mitte des Tisches, wo jeder zugreifen kann. Ringsum warten die Spieler mit je einem Spieletableau mit 24 Feldern, um darauf ihre „Welt“ zu legen.
Das geschieht simultan. Alle wühlen gleichzeitig im Haufen, wählen aus und legen Landschaftsplättchen für Landschaftsplättchen. Immer Kante an Kante, und vor allem mit immer nur einem Landschaftsplättchen in nur einer Hand. Es gilt die „Was liegt, das pickt“-Regel.
Die Abrechnung
Ein hübscher Timer in den Blautönen des Spiels und als Erdkugel gestaltet, ist auf sieben Minuten eingestellt worden. Am Ende zeigen die Tableaus der Spieler unterschiedliche „Welten“ mit unterschiedlichen Landschaftsaufteilungen. Abgerechnet wird folgendermaßen:
- 1 Tier = 1 Punkt
- jede abgeschlossene und fehlerfreie Landschaft = Punkte. Was fehlerfrei bedeutet, dazu weiter unten
- Wer die meisten aktiven Vulkane gelegt hat, erhält einen Minuspunkt pro Vulkan
- Freie Felder und Anschlussfehler zählen ebenfalls einen Minuspunkt
- Wer vor Ablauf der sieben Minuten aussteigt, erhält Bonuspunkte – je nach Spieleranzahl zwischen einem und vier.
Intuitiv erzielen Anfänger beim allerersten Spiel oft mehr Punkte als nach langem Grübeln der folgenden Runden. Vor allem, wenn sie eine Schwäche von Mondo durchschaut haben: Tiere legen, Tiere legen, Tiere legen! Das gibt immer massig Punkte.
| Der Timer ist der Erdkugel nachgeahmt. | |
Dauer ist überschaubar
So werden drei Runden gespielt, danach die Punkte zusammengezählt. Dreimal sieben Minuten, das ist überschaubar. Unter Zeitdruck zu spielen und dabei auch noch klug zu sein, das ist allerdings nicht jedermanns Ding. Frust baut sich jedoch dadurch auf, dass Anstrengung und Belohnung nicht wirklich in Einklang stehen.
Diese Relation kommt erst beim Fortgeschrittenen- und Expertenspiel ins Lot. Bei diesen Varianten gibt es Sonderwertungen. Erst sie verheißen bei Mondo dafür, dass man gestresst wird und sich das Legen der Landschaftsplättchen gut überlegen muss, auch befriedigende Zusatzpunkte.
Die wesentlichen Unterschiede
- Im Fortgeschrittenenspiel gibt es für den Spieler mit den meisten Landschaften, den meisten Seen, dem größten See, den meisten Wassertieren und dem größten Wald vier Punkte. Zwei Einschränkungen: 1. für eine Runde wird immer nur eine der Sonderwertungen zufällig gewählt und der Spieler, der sie am schlechtesten erfüllt, wird mit vier Minuspunkten bestraft. 2. für die Wassertiere-Regel gilt das schon oben Gesagte.
- Für ein Expertenspiel stehen insgesamt zwölf Sonderwertungen zur Verfügung. Doppelt so viele Sonderwertungs-Kärtchen wie Spieler am Tisch sind, werden ausgelost und kommen zuerst einmal offen auf die Seite. Während des Durchgangs dürfen die Spieler bis zu zwei davon zu sich nehmen und sichern. Das sind zum Beispiel Sonderaufgaben wie drei Büffel in derselben Steppenlandschaft zu haben, was neun Punkte bringt, oder alle vier verschiedenen Waldtiere mindestens einmal in derselben Landschaft (sieben Punkte) gelegt zu haben.
Das macht Sinn. Das bietet auch den nötigen Anreiz, weil hier jeder wirklich für sich entscheidet, worauf er sich konzentriert.
Die Anschlüsse müssen passen
Für alle drei Varianten gilt das Zauberwort „fehlerfrei“. Damit hat man durchaus seine Probleme. Vor allem zu Beginn werden Anschlussfehler leicht übersehen oder noch öfter passiert es, dass eine Landschaft doch nicht vollständig abgeschlossen ist. Worum geht’s? Die Kante eines Landschaftsplättchens ist niemals der Abschluss einer Landschaft! Landschaften enden sozusagen immer im Innern eines Landschaftsplättchens. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: siehe rechts oben.
Fazit
Die Idee, dass sich Spieler gleichzeitig aus einem gemeinsamen Vorrat an unterschiedlichen Teilen bedienen und sich ihr eigenes Puzzle legen, ist genial. Zu Ende gedacht – nämlich mit den stimmigen Anreizen versehen – ist es jedoch erst im Expertenspiel. Wer schon viele und gerne auch anspruchsvollere Spiele gespielt hat, kommt mit der Experten-Regel sofort klar. Das Einsteigerspiel hingegen ist so oder so dünn. Die Fortgeschrittenen-Regel macht das Kraut etwas, aber nur etwas fetter.
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Mondo hat ein vielfältiges Prinzip, das sich dadurch auch abwandeln lässt. Die Spielanleitung nennt bereits mehrere Vorschläge. Hier ein Tipp der Spielwiese, das Einsteigerspiel etwas anders zu gestalten: Es werden nur Tiere auf abgeschlossenen Landschaften gewertet. Das verhindert, dass sich Spieler blindlings auf jene Landschaftsplättchen mit Tieren stürzen, die unverhältnismäßig viele Punkte bringen. Außerdem wird auf die recht willkürliche Vulkanregel verzichtet. |
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Nr. 1089: Mondo |
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Spielwiese-Code | |
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Themen: Landschaften, Tiere |
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