Mit Leasingarbeitern schneller ans Ziel
Die Baumeister von Arkadia legen im gleichnamigen Spiel nicht selbst Hand an. Sie lassen arbeiten. Eine der Besonderheiten: Jeder wertet für sich, wenn er es für richtig hält.
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Das Spiel in der Übersicht: Die Vorräte an Arbeitern und Siegeln der Spieler sind durch Sichtschirme geschützt. An ihnen hängen die Baumeister-Fahnen, die für die Wertungen benötigt werden. Fotos: Ravensburger |
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Beispiel für das Einsetzen von Arbeitern und die Folgen: Der Spieler an der Reihe (Schwarz) setzt zwei eigene Arbeiter und einen neutralen Arbeiter ein. Damit sind mit einem Schlag zwei Gebäude umschlossen und fertiggestellt. Spieler Orange bekommt ein rotes Siegel aus dem allgemeinen Vorrat, Spieler Schwarz für seine beiden Arbeiter je ein rotes Siegel sowie das Siegel, das auf dem Gebäude liegt (insgesamt also drei). Für das olive Gebäude erhalten Gelb und Grün jeweils zwei olive Siegel; Schwarz ebenfalls: eines für seinen angrenzenden Arbeiter, und das zweite fürs Fertigstellen. |
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Ein Spieler hat sieben rote und fünf silberne Siegel gesammelt und will sie in dieser Situation gegen Gold tauschen. Im Kastell sind drei rote Felder zu sehen, deshalb bekommt der Spieler für seine roten Siegel 21 Einheiten Gold (7x3). Silber ist viermal im Kastell vertreten, macht 4x5=20 Einheiten Gold. |
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Arkdadien, das klingt nach verklärtem goldenen Zeitalter, nach einem paradiesähnlichem Landstrich. Selbst Demis Roussos hatte ihn beschnulzt.
In diesem Arkadien allerdings ist Maloche angesagt. Sinnbildlich wenigstens, denn die Spieler müssen selbstverständlich keinen Finger krümmen. Sie sind ja auch feine Leute vom Stand der Tuchhändler (Rot), Gewürzhändler (Oliv), Zimmerleute (Schwarz) und Silberschmiede (Silber). Solchereins lässt arbeiten (okay: Zimmerleute packen auch an, aber es gibt ja noch anderes zu tun am Bau).
Was wird eigentlich gebaut? Primär wird eine Stadt gebaut. Doch die ist nur Mittel zum Zweck. Immer wenn ein Gebäude in der Stadt errichtet wurde, wächst in deren Mitte ein Kastell um einen "Baustein". Dieses Kastell ist der zentrale Punkt bei Die Baumeister von Arkadia und eine Art Börse. Die Zusammensetzung des Kastells entscheidet, wer bei Wertungen wie viel Gold bekommt. Und allein die Menge des Goldes entscheidet bei Spielschluss, wer der Sieger ist.
Jeder wertet nur für sich
Mit Ausnahme der Schlusswertung ist es den Spielern überlassen, wann sie eine Wertung durchführen. Das ist eine Besonderheit. Natürlich sucht man sich den geeigneten Zeitpunkt aus, um möglichst viel dabei zu lukrieren.
Um den Mechanismus zu durchschauen, hier eine kurze Erklärung zum Ablauf.
Die Spieler haben in jeder Runde vier Baukarten auf der Hand. Sie zeigen eine der sieben zur Auswahl stehenden Arten von Gebäuden, aus denen die Stadt einmal bestehen wird. Außerdem ist diesem Gebäude eine Spielerfarbe zugeordnet. Diese Spielerfarbe ist vorerst nicht von Bedeutung: Jeder Spieler kann eine Baukarte jeder Farbe ausspielen. Das jeweilige Gebäude wird dann auf den Spielplan gelegt. Es muss dabei eine senkrechte oder waagrechte Verbindung zum Kastell, zu bereits gelegten Gebäuden oder zu Arbeitern haben. Das Ausspielen einer Baukarte und das Legen eines Gebäudes ist eine der beiden Muss-Bestimmungen. Alternativ darf das Einsetzen von Arbeitern gewählt werden. Arbeiter gibt es in den Farben der Spieler sowie in der neutralen Farbe Beige. Heute würde man wohl Leasing- oder Leiharbeiter dazu sagen.
Arbeiter müssen auf freie, waagrecht oder senkrecht zu einem Gebäude angrenzende Felder gelegt werden. Ist ein Gebäude vollständig von Arbeitern oder anderen Bauwerken umgeben, ist es fertiggestellt. Alle Spieler, die am Bau mitgewirkt haben - von denen also Arbeiter in ihrer Farbe angrenzen - erhalten nun so viele Siegel in der Farbe des Gebäudes, wie sie eigene Arbeiter dort stehen haben. Die neutralen Leasingarbeiter bringen nichts ein.
Damit werden zwei Dinge bewirkt: 1. Es kommt zu einer Verteilung von Siegeln, durchaus in unterschiedlichen Farben. 2. Es wird am Kastell weitergebaut: für jedes neu fertiggestellte Gebäude erweitert der Spieler, der am Zug ist, mit einem Kastell-Stein aus dem Vorrat das Kastell in der Spielplanmitte. Da auch die Kastell-Steine jeweils die Farbe eines Spielers zeigen, ist es wichtig, die richtige Wahl zu treffen und auch den strategisch passenden Platz im Kastell.
Siegel gegen Gold tauschen
Wie schon erwähnt: Das Kastell ist auch eine Art Börse, ein Wertanzeiger, wie hoch die einzelnen Stände (=Farben =Spieler) im Kurs stehen. Die Grundfläche des Kastells beträgt zehn Felder, von oben betrachtet sind also maximal zehn Kastell-Steine mit Farbpunkten zu sehen. Je mehr es in einer Farbe sind, desto höher ist der Wert dieser Farbe.
Denn: Entscheidet sich der Spieler am Zug für die Kann-Bestimmung einer Wertung, tauscht er bisher gesammelte Siegel gegen Gold, wobei jedes Siegel mit der Anzahl der sichtbaren Farbfelder des Kastells multipliziert wird. Ein Beispiel: Es sind vier grüne Felder auf dem Kastell zu sehen, der Spieler hat drei grüne Siegel, er erhält also 3x4 = 12 Einheiten Gold.
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Das antike Arkadien wird verklärt als Land, in dem Arbeit nicht an oberster Stelle steht, in dem die Hirten mühelos ihren Alltag bestreiten. In der Literatur wird Arkadien oft auch von Griechenland nach Sizilien verlegt Das moderne Arkadien ist eine der fünf Präfekturen der griechischen Verwaltungsregion Peloponnes |
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Diese Wertung betrifft ihn allein und kann im Verlauf des Spiels nur viermal durchgeführt werden. Dazu gibt er jedesmal eine seiner vier Baumeister-Fahnen ab, damit alle jederzeit die Kontrolle über Rechtschaffenheit und Möglichkeiten der Mitspieler haben. Für jede Baumeister-Fahne, die man abgibt, erhält man außerdem sofort zwei neue Arbeiter in seiner Farbe aus dem Vorrat.
Die Feinheiten
Die Jury Spiel des Jahres hat Die Baumeister von Arkadia auf die Nominierungsliste 2007 gesetzt. Ein "spannender Wettstreit um Prestige und Macht", schreibt sie. Und weiter: "Während die große Bastion in der Mitte des Spielplans in die Höhe wächst, entsteht eine stimmige Atmosphäre. Sie lässt beinahe vergessen, dass das Taktikspiel Die Baumeister von Arkadia die Spieler durch seine vielen Entscheidungsmöglichkeiten ordentlich fordert."
An Feinheiten hat Autor Rüdiger Dorn Einiges eingebaut. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zwei Beispiele.
Das Kastell wächst auf mehreren Ebenen – aber immer der Reihe nach: Bevor ein Kastell-Stein in den 1. Stock gesetzt werden darf, muss zuerst das Erdgeschoß fertiggestellt sein. Ab der zweiten Ebene wird natürlich die Farbe des darunter liegenden Kastell-Steins überdeckt und es ergeben sich neue Werte an der "Börse". Damit hat der Spieler die größte Möglichkeit im Spiel, das Geschick zu seinen Gunsten zu bestimmen.
Wichtig ist auch das taktische Platzieren von Gebäuden und Arbeitern. Durch das Überdecken eines Zeltplatzes auf dem Spielplan mit einem Gebäude, erhält man einen neutralen Leiharbeiter. Die bringen zwar keine Siegel ein, helfen allerdings dabei ein Gebäude fertigzustellen. Der Vorteil: Wer ein Gebäude fertiggstellt, bekommt ein Siegel extra, das später in Gold umgewandelt werden kann. Und wer Arbeiter seiner Farbe zwischen noch nicht fertiggestellte Gebäude stellt, ist an allen beteiligt, wenn sie abgerechnet und entsprechend viele Siegel verteilt werden.
Atmosphärisch sehr dicht
Was in der nackten technischen Schilderung vielleicht etwas kompliziert klingt, ist es in der Praxis nicht. Die Baumeister von Arkadia kommt mit wenig Regelwerk aus. Die sechs Seiten Text der Anleitung werden noch durch großzügige Bebilderung und Beispiele relativiert. Wer an der Reihe ist, hat immer nur aus einer der beiden Muss-Bestimmungen zu wählen - Gebäude oder Arbeiter setzen - und kann (!) danach eine Wertung auslösen. Mit der ersten Wertung sollte man übrigens nicht zu lange warten und sie auf jeden Fall noch vor Baubeginn der zweiten Ebene des Kastells durchführen.
Das Material und der klare Aufbau des Spielfeldes sind dafür mitverantwortlich, dass rasch eine anhaltend atmosphärische Dichte entsteht. Kein Detail wirkt aufgesetzt: Genau so könnte es gewesen sein, als sich die vier wohlhabenden Sippen auf den Wettstreit einließen, wer am meisten zum Bau der Stadt und des sie überragenden Kastells beiträgt.
Die Baumeister von Arkadia spielt sich flott und ohne regelbedingte Fragezeichen. Der Glücksanteil, welche Baukarten man nachzieht, ist vertretbar und gibt die nötige Würze. Der Rest liegt in der Hand jedes Einzelnen.
Fazit
Ein sehr gut gelungenes "klassisches" Familienspiel.
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Spielanleitung zum Herunterladen |
Spielwiese-Code: |
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